Katholisch-Theologische Fakultät
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Wir trauern um ...

19.09.2012

Die Katholisch-Theologische Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München trauert um ihren Kollegen Prof. Dr. Dr. Manfred Görg, den emeritierten Inhaber des Lehrstuhls für Alttestamentliche Theologie, der am 17. September 2012 im Alter von 74 Jahren verstorben ist.

Professor Görg wurde am 8. September 1938 in Blankenfelde bei Berlin geboren. Ab 1957 studierte er Katholische Theologie an der Theologischen Fakultät Paderborn sowie an den Universitäten Würzburg und Bonn. Nachdem er 1963 in Paderborn die Priesterweihe erhalten hatte, war er bis 1968 in der Pfarrseelsorge tätig. 1965 wurde er in Bonn aufgrund der Arbeit „Das Zelt der Begegnung. Untersuchung zur Gestalt der sakralen Zelttraditionen Altisraels“ (Bonn 1967) in Katholischer Theologie promoviert. Von 1968 bis 1972 arbeitete er als Wissenschaftlicher Assistent an der Ruhr-Universität Bochum. Zugleich absolvierte er in Bonn ein Studium der Ägyptologie, das besonders prägend für sein wissenschaftliches Leben werden sollte. 1972 wurde er in Bochum für das Fach Altes Testament habilitiert mit einer Arbeit, die unter dem Titel „Gott-König-Reden in Israel und Ägypten“ erschien (Mainz 1975). Zusätzlich erwarb Professor Görg 1974 die Promotion zum Dr. phil. im Fach Ägyptologe mit der Studie „Untersuchungen zur hieroglyphischen Wiedergabe palästinischer Ortsnamen“. 1975 wurde er auf den Lehrstuhl für Alttestamentliche Wissenschaften an der Universität Bamberg berufen, und von 1985 bis zu seiner Emeritierung 2003 war er Ordinarius für Alttestamentliche Theologie an der Universität München.

Professor Görg entfaltete eine überaus reiche Forschungs- und Publikationstätigkeit. Das Verzeichnis seiner Veröffentlichungen umfasst allein bis 2008 mehr als 1300 Einzeltitel. Schwerpunkte seiner Studien waren das antike Ägypten und seine kulturellen und religiösen Einflüsse auf die jüdische und die christliche Religion. Neben einem breiten Strom von monographischen Arbeiten verfasste er den Forschungsbericht „Die Beziehungen zwischen Israel und Ägypten von den Anfängen bis zum Exil“ (Darmstadt 1997) und das Lehrbuch „Ägyptische Religion“ (Stuttgart 2007) in der Reihe „Religionen in der Umwelt des Alten Testaments“. Besondere Erwähnung verdient ferner die Herausgabe des dreibändigen „Neuen Bibellexikons“ (Zürich 1991–2001, mit Bernhard Lang). Professor Görg gründete die wissenschaftliche Reihe „Ägypten und Altes Testament“, die Zeitschrift „Biblische Notizen. Beiträge zur exegetischen Diskussion“ und legte Kommentare zu den Büchern Josua (1991) und Richter (1993) in der „Neuen Echter Bibel“ (Würzburg) vor. Seine letzte größere Aufsatzsammlung trägt den Titel „Mythos und Mythologie. Studien zur Religionsgeschichte und Theologie“ (2011).

Von seinem wissenschaftlichen Wirken nicht losgelöst war sein Herzensanliegen: der Dialog der Religionen, insbesondere mit Juden und Muslimen. 2001 gründete er im Sinne dieses Anliegens die Gesellschaft „Freunde Abrahams“, der er bis zu seinem Tod vorstand. Die Gesellschaft gibt die Zeitschrift „Blätter Abrahams. Beiträge zum interreligiösen Dialog“ heraus und wurde mehrfach durch Auszeichnungen gewürdigt.

Im wissenschaftlichen wie im menschlichen Sinne war Manfred Görg eine selten anzutreffende Weite, Offenheit und Integrität zu eigen, die viele seiner Kollegen, Schüler und Freunde zutiefst beeindruckt und bleibend angerührt hat.

Das Requiem für den Verstorbenen wird am Freitag, den 28. September 2012 um 11.00 Uhr in der Klosterkirche Heisterbach, Königswinter, gefeiert. Die Beerdigung ist anschließend auf dem alten Friedhof in Königswinter-Oberdollendorf, Rennenbergstraße.

Die Katholisch-Theologische Fakultät der LMU München wird ihres verstorbenen Mitglieds in einem Trauergottesdienst am Dienstag, den 13. November 2012 um 17.00 Uhr, in der Universitätskirche St. Ludwig gedenken.

Μünchen, den 19.9.2012

Prof. Dr. Knut Backhaus
Dekan