Katholisch-Theologische Fakultät
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Besser als ihr Ruf? Die Frauen in Mk 16,1-8

Bösen Zungen zufolge hat die Vorsehung wohl daran getan, die Osterbotschaft zuerst an Frauen zu richten, weil so am zuverlässigsten für schnelle Verbreitung der Kunde gesorgt gewesen sei. Ganz gleich ob man dies für einen gelungenen oder einen missglückten Witz hält oder einfach für eine zutreffende Einschätzung ­ aus dem Text des Mk-Evangeliums kann der Spruch nicht gewonnen sein. In Mk 16,8 erscheinen die Frauen gerade nicht als Multiplikatoren der Osterbotschaft: »Sie sagten niemandem etwas, denn sie fürchteten sich.« Wie ist dieses Verhalten zu verstehen? Manche Auslegungen sehen die Frauen kritisiert, weil diese sich dem Auftrag des Engels widersetzten, Petrus und den Jüngern auszurichten, der Auferstandene gehe ihnen voran nach Galiläa.

Zu einem anderen Urteil wird man geführt, wenn man das Zentrum der Geschichte betrachtet: die Verkündigung der Auferweckung Jesu durch den Engel. Die Bewegung zum Grab, der Aufenthalt dort und das Fliehen vom Grab ­ alles ist auf die Botschaft des Engels bezogen. Diese Botschaft verweist pointiert auf den Gekreuzigten. Die Botschaft von der Auferweckung ist nicht am Kreuz vorbei zu haben. Der Erhöhte bleibt der Gekreuzigte, »nur in dieser Verknüpfung ist das christologische Bekenntnis richtig« (L. OBERLINNER). So ist der Gang zum Grab Nachfolge des Gekreuzigten. Dass sie Jesus anders finden als erwartet, nämlich in der Verkündigung des Engels, wird den Frauen nicht zum Vorwurf.

Im Wort der Verkündigung ist die Osterbotschaft auch den Adressaten des MkEv zugänglich. Die Darstellung der Frauen wird transparent für die Situation der späteren Zeit. So erklären sich zwei Besonderheiten: (1) Die Erscheinung wird angekündigt, aber nicht erzählt, um den Akzent nicht auf Vergangenes zu rücken (16,9-20 gehört nicht ursprünglich zum MkEv). (2) Das Schweigen der Frauen: Dessen Bezugspunkt ist die Botschaft von der Auferweckung. Durch die Furcht wird deutlich: Die Frauen haben verstanden, dass sie konfrontiert wurden mit einer Gottesoffenbarung; sie erkennen deren Zumutung. Mit diesem offenen Schluss mündet das MkEv in die Welt der Adressaten, die herausgefordert sind, selbst Stellung zu beziehen zur Botschaft von der Auferweckung.

Man kann es nur bedauern, dass bei der Auswahl der Schrifttexte für die Liturgie der Osternacht dem MkEv dieser Stachel gezogen wurde: Im Lesejahr B ist »Mk 16,1-7« an der Reihe. Hat uns Markus zuviel zugemutet?