Katholisch-Theologische Fakultät
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Terminschwierigkeiten in den Evangelien: Wann ist Karfreitag?

Wer hofft, aus den Evangelien direkte Hinweise auf das Todesdatum Jesu zu erhalten, wird enttäuscht. Die Evangelien sind sich nur in einem Punkt einig: Jesus starb an einem Freitag. Denn in allen Darstellungen folgt ein Sabbat auf den Todestag Jesu.

Allerdings wird dieser Freitag unterschiedlich in den Ablauf des Paschafestes eingeordnet. Folgt man den synoptischen Evangelien, so starb Jesus am Paschatag, an dessen Vorabend das Paschamahl gehalten wird (Mk 14,12; Mt 26,17; Lk 22,8). Nach dem JohEv ist der Karfreitag der Rüsttag, an dessen Abend das Paschamahl gehalten wird (Joh 18,28; 19,14). In historischer Hinsicht kann nur eine der beiden Zuordnungen zum Paschafest zutreffen. Die Annahme, dass zwei verschiedene Kalender für die Unterschiede verantwortlich seien, hat sich nicht durchgesetzt.

Welche Darstellung ist dann historisch zu bevorzugen? Eine Entscheidung ist  durch zwei Umstände erschwert. (1) Beide Versionen können sich theologischer Reflexion verdanken. Die Synoptiker präsentieren das letzte Mahl Jesu als Paschamahl. Dabei könnte der Gedanke leitend gewesen sein, das urkirchliche Herrenmahl heilsgeschichtlich in Beziehung zu setzen zum jüdischen Paschamahl. Für Johannes könnte die Paschalamm-Symbolik entscheidend gewesen sein: Jesus wird zu dem Zeitpunkt verurteilt, da im Tempel die Paschalämmer geschlachtet werden (Joh 19,14); die Geschehnisse unmittelbar nach dem Tod Jesu werden mit einem Schriftverweis auf das Paschalamm gedeutet (Joh 19,36). (2) Keine der beiden Darstellungen lässt sich historisch ausschließen.

Zwei Überlegungen ergeben aber einen leichten Vorsprung für die johanneische Datierung (das ist natürlich ein historisches, kein theologisches Urteil). Zum einen ist die Ansetzung bei den Synoptikern nur schwach in der Passionsdarstellung verwurzelt. Nur im Zusammenhang der Vorbereitung des letzten Mahles erfahren wir, dass es sich um ein Paschamahl handelt. Die Beschreibung des Mahles selbst gibt keinerlei Hinweis (Lk 22,15 ist kein eigenständiger Beleg). Zum andern scheint die Barabbas-Episode - unabhängig von der Frage nach ihrer Historizität - die johanneische Chronologie vorauszusetzen. Denn eine Amnestie anlässlich des Paschafestes ist nur dann sinnvoll, wenn der Freigelassene das Fest auch feiern kann, in diesem Fall: wenn das Paschamahl noch nicht gehalten ist.