Katholisch-Theologische Fakultät
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Mt 2,1-12: Ein MtEv-Konzentrat?

Zugegeben, der Vergleich hinkt. Die Geschichte vom Besuch der Magier aus dem Osten ergibt, mit Wasser gemischt, nicht das ganze MtEv. Aber da in den Evangelien sogar Gelähmte geheilt werden, können wir auch für einen hinkenden Vergleich Hoffnung haben. Immerhin lässt sich 2,1-12 als vorweggenommene Zusammenfassung der matthäischen Jesusgeschichte lesen. Dies kann man in drei Punkten entfalten.

Erstens läuft die Erzählung zu auf die Verehrung des »Königs der Juden« (2,2) durch Heiden (2,11). Darin deutet sich an: Die Christus-Botschaft richtet sich an »alle Völker«, wie der Auferstandene den Jüngern aufträgt (28,19).

Zweitens: Der irdische Jesus wirkt ausschließlich in Israel. Gerade das MtEv betont, dass Jesus »nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt ist« (15,24). Und auch für die Jünger gilt in der vorösterlichen Zeit dieselbe Beschränkung (10,5f). Dieser Vorrang Israels drückt sich in der Magier-Erzählung dadurch aus, dass die Weisen aus dem Osten nur durch die Vermittlung »aller Hohenpriester und Schriftgelehrten« (2,4) den Weg nach Bethlehem finden. Der Aufgang des Sterns veranlasst ihre Reise nach Jerusalem, weil sie den König der Juden natürlich in der Hauptstadt vermuten. Erst nach der Befragung der Schriftgelehrten führt der Stern die Magier, zuvor spielt er keine Rolle als Leitstern; die Magier haben ihn nur »beim Aufgang« gesehen (2,9).

Eine dritte Linie der matthäischen Jesusgeschichte zeigt sich in der Reaktion auf die Nachricht von der Geburt des Messias. »Ganz Jerusalem« erschrickt mit Herodes (2,3). Und während die Heiden durch jenes Ereignis  in Bewegung gebracht werden und den König der Juden verehren, bleiben die Juden in Jerusalem sitzen, obwohl sie der Schrift den Hinweis auf den Geburtsort des Messias entnehmen können. Nur die heidnischen Magier aber ziehen nach Bethlehem. Darin deutet sich an, dass Jesus als Messias von seinem Volk abgelehnt werden wird.

Matthäus bündelt also in einer programmatischen Erzählung seine Sicht von Wirken und Geschick Jesu.