Katholisch-Theologische Fakultät
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Welche ist die schönste Ostergeschichte?

Über Geschmack kann man bekanntlich nicht streiten. So mag jeder und jede eine eigene Rangliste der schönsten Ostererzählungen haben. Meine wird angeführt von Lk 24,13-35, der Geschichte von den Emmaus-Jüngern. Sie beschreibt den Weg zum Osterglauben und setzt dies auch erzählerisch um, indem sie die beiden Jünger unterwegs sein lässt. Diese sind keine prominenten Figuren, der eine heißt Kleopas und wird nur hier erwähnt, der andere bleibt namenlos. Dass Lukas in dieser Geschichte nicht Vertreter aus dem Kreis der Zwölf auftreten lässt, ist sicher Programm, denn die Emmaus-Geschichte kann gerade als Ostererzählung für die Glaubenden der späteren Generationen verstanden werden.

Sie knüpft an die Entdeckung des leeren Grabes und die Botschaft von der Auferweckung Jesu im Grab an, allerdings eher negativ: Die bisherigen Ereignisse haben noch nicht zum Glauben geführt (24,11f) - auch nicht bei den Emmaus-Jüngern, die auf jene Ereignisse zurückblicken. Mehr als »große Aufregung« haben sie nicht bewirkt, die Niedergeschlagenheit der Jünger konnten sie gerade nicht vertreiben (24,18-24).

Der Weg zum Osterglauben erfolgt dann in der Begegnung mit dem Auferstandenen, näherhin in zwei Schritten. Zunächst erschließt Jesus, noch unerkannt, den Jüngern das Zeugnis der Schrift über den Messias. Dabei ist nicht an bestimmte Schriftstellen zu denken; es geht vielmehr um eine grundsätzliche Aussage: der Weg des Messias durch das Leiden zur Herrlichkeit stimmt mit dem Willen Gottes überein (24,25-27). Diese Anleitung durch Jesus weckt den Glauben der Jünger noch nicht, sie bereitet ihn aber vor. Aus dem späteren Rückblick wird klar, dass die Jünger nicht nur wegen der vorgerückten Stunde ihren unbekannten Begleiter zum Bleiben drängen (»brannte uns nicht das Herz...«; 24,32). Doch sie erkennen Jesus erst beim gemeinsamen Mahl, das nach dem Vorbild der Abendmahlstradition gestaltet ist: Jesus, obwohl Gast, handelt wie der Gastgeber und bricht den Jüngern das Brot (24,30).

So öffnet Lukas die Erscheinungsgeschichte für den Gottesdienst der Gemeinde, die in der Feier des Abendmahls die Gegenwart des Auferstandenen erfährt. Dass die Emmaus-Jünger bei ihrer Ankunft in Jerusalem nichts mehr Neues zu berichten haben und Simon Petrus ihnen zuvorgekommen ist (24,33f), bedeutet erzählerisch zwar einen Spannungsabfall; es ist aber sachlich durchaus stimmig, gerade wenn man die Öffnung der Emmaus-Geschichte für die Glaubenden der späteren Zeit bedenkt.