Katholisch-Theologische Fakultät
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Suchspiel: Wo ist der Stall in der Weihnachtsgeschichte (Lk 2,1-20)?

Diese Suche könnte länger dauern, denn Lukas erwähnt an keiner Stelle der Geburtsgeschichte einen Stall. Es ist nur die Rede von der Futterkrippe, in die das Kind gelegt wurde (2,7.12). Begründet wird diese ungewöhnliche Liegestatt mit der Bemerkung, dass »in der Herberge kein Platz für sie war« (2,7). Deshalb scheint es durchaus naheliegend, sich die Krippe in einem Stall zu denken.

Dies ist aber kein sicherer Schluss, wie ein Blick auf das Wort zeigt, das mit »Herberge« übersetzt wird (to katalyma). Es hat eine weitere Bedeutung als »Gasthaus«, kann jede Art von Unterkunft bezeichnen, auch ein Privathaus mit seinem Großraum, in dem nach damaliger Bauweise ein Futtertrog denkbar ist, denn auch das Vieh konnte im Haus untergebracht sein - abgetrennt nur durch eine erhöhte Wohnterasse. Da sonst in der Geschichte nichts auf die besonders ärmlichen Umstände der Geburt Jesu hindeutet, könnte der Evangelist durchaus an ein Privathaus als Unterkunftsort gedacht haben. Er erwähnt dann nur die Besonderheit, dass das Kind nicht im eigentlichem (Gast-)Raum, sondern mangels Platz in einem daneben stehenden Futtertrog untergebracht war.

Stellt man sich die Szene so vor, klärt sich auch ein meist wohl übersehenes erzählerisches Detail. In 2,18 treten nämlich unvermittelt Leute auf, die den Bericht der Hirten hören und darüber staunen. Da hier sicher nicht von einer ersten Wallfahrtsbewegung zu heiligen Stätten der Christenheit die Rede sein kann, muss man sich fragen: Wie kommen diese Leute eigentlich in die Szene, wenn diese in einem verlassenen Stall spielen soll? Ist die Krippe dagegen in einem Wohnhaus zu denken, löst sich das Problem von selbst.

Außerdem kann die Notiz in 2,18 einen Hinweis zum Verständnis der Weihnachtsgeschichte geben. Gestaunt wird nicht über das Kind, sondern über die Kunde der Hirten. Auch alle erzählerischen Elemente, die göttliche Erscheinung inszenieren (2,9-14), werden nicht mit der Geburt oder dem Neugeborenen verbunden, sondern mit der Botschaft über die Bedeutung Jesu (2,11). Sie ist das Zentrum der Erzählung.