Katholisch-Theologische Fakultät
print

Links und Funktionen

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Warum ist Petrus ein schlechter Unternehmer?

Ehe man diese Frage beantwortet, stellt sich eine grundsätzlichere: Warum soll Petrus überhaupt ein Unternehmer sein? Böse Zungen sehen, angesichts der Institution, die sich auf Petrus zurückführt, zu solcher Rückfrage zwar nur geringen Anlass. Unabhängig davon, wie man sich zu dieser Einschätzung verhält, bleibt aber zu beachten: Die Evangelien stellen Petrus als galiläischen Fischer vor, der kaum Gelegenheit hatte, unternehmerische Fähigkeiten zu beweisen.

Oder doch? Immerhin erzählt Lukas in seiner Geschichte von der Berufung der ersten Jünger (Lk 5,1-11), Johannes und Jakobus seien »Teilhaber« des Simon gewesen. Das verwendete griechische Wort (koinonos) ist zwar nicht ganz eindeutig, wurde aber in der Geschäftssprache verwendet. Außerdem wird Simon als Besitzer des Bootes vorgestellt, von dem aus Jesus lehrt (5,3). Schließlich wechseln in der Aufforderung Jesu zum Fischfang die Angesprochenen vom Singular (»Fahre hinaus«) zum Plural (»lasst eure Netze hinab«; 5,4). So erscheint Petrus als der Chef der Gruppe, der durch Jesus ein außergewöhnlicher Fang glückt.

Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten aber verhält sich dieser Kleinunternehmer aus dem Fischerei-Gewerbe höchst auffällig. Warum stellt er den Wundertäter nicht als weiteren Mitarbeiter ein? Aufgrund der gesteigerten Produktivität hätte er niemanden entlassen müssen; die Episode mit dem zweiten Boot (5,7), das zu Hilfe eilt, deutet sogar darauf hin, dass weitere Arbeitsplätze geschaffen worden wären, wenn Petrus Jesus als Mitarbeiter gewonnen hätte. Er unternimmt aber nicht den geringsten Versuch dazu, sondern scheint Jesus geradezu abzuweisen: »Geh weg von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch.« (5,8)

Warum eine solche Reaktion? Furcht auf seiten des Menschen ist ein typisches Motiv alttestamentlicher Gotteserscheinungen. In der Begegnung mit der göttlichen Sphäre wird der Mensch sich seines Ungenügens bewusst und fürchtet vernichtet zu werden. Entsprechend ergeht stereotyp die Aufforderung: »Fürchte dich nicht!« (s.a. 5,10) Petrus wird also nicht als besonders sündiger Mensch gekennzeichnet. Und seine Reaktion ist angemessen, er erkennt in der Begegnung mit Jesus die Anwesentheit göttlicher Macht. Dies hat in seinem Fall auch zur Folge, dass er seine wirtschaftliche Existenz in dem Moment aufgibt, in dem er den größten Erfolg der »Unternehmensgeschichte« verzeichnet ... (5,11).