Katholisch-Theologische Fakultät
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Die liebe Verwandtschaft II: Und was ist mit den Großmüttern Jesu?

Die Aussage »A zeugte B« stellt angesichts des bezeichneten Vorgangs zumindest eine perspektivische Konzentration dar. Es kann zwar in biblischen Genealogien durchaus die Tatsache berücksichtigt sein, dass Frauen an der Erzeugung von Nachkommenschaft nicht unbeteiligt sind (z.B. 1Chr 2,17-19); überwiegend aber beschränkt sich der patriarchalische Blick auf den Beitrag der Männer.

Dies ist auch im Stammbaum Jesu in Mt 1,2-16 so. Gerade deshalb aber fällt auf, dass das Schema an vier Stellen durchbrochen wird - nicht gerechnet die Erwähnung Marias, denn in diesem Fall konnte ja aus bekannten Gründen die Formel »A zeugte B« nicht angewendet werden. Warum werden Tamar, Rahab, Rut und die »Frau des Uria« (Batseba) genannt (VV.3.5.6)? Es sind nicht prominente Frauen wie Sara, Rebekka oder Rachel, die in den »Erzelternerzählungen« eine besondere Rolle spielen.

Man hat das Verbindende zwischen den vier Frauen darin gesehen, dass es sich um Sünderinnen handelte. Dies trifft aber keinesfalls auf Rut und Tamar zu und ist auch für die »Frau des Uria« eine schwierige Annahme.

Eine zweite Erklärung sieht das Irreguläre in der Beziehung zu den Partnern als gemeinsames Element. Dies könnte man dann zwar auch auf die besonderen Umständen der Geburt Jesu beziehen, aber man muss hier auf eine recht hohe Abstraktionsebene gehen, um eine Verbindung zwischen den vier Frauen zu erkennen. Die Beziehungen der Frauen zu ihren Partnern sind doch sehr unterschiedlich.

Am meisten für sich hat deshalb die Deutung, die in den Frauen Nichtjüdinnen erkennt. Für Rut und Rahab ist das vom AT her offenkundig; Batseba wird als »Frau des Hethiters Uria« bezeichnet (2Sam 11,3); Tamar kann in jüdischer Tradition (nicht im AT) ebenfalls als Nichtjüdin erscheinen. Somit deutet der Erwähnung jener vier Frauen im Stammbaum des MtEv an, dass das Heil über die Grenzen Israels hinausgehen wird (Mt 28,19). Erneut zeigt sich: Der Stammbaum Jesu in Mt 1,12-16 ist ein programmatischer theologischer Text, kein Dokument aus der Familientradition Josefs.