Katholisch-Theologische Fakultät
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Die liebe Verwandtschaft: Wie hieß der Großvater Jesu väterlicherseits?

Wenn wir die obige Frage an Matthäus richten könnten, würde er uns ant-worten: »Steht doch in meinem Buch, in 1,16.« (So würde er natürlich nicht antworten, denn die Kapitel- und Verszählung stammt erst aus dem Mittelalter ? aber Recht hätte er doch). Lesen wir also in 1,16: »Jakob zeugte den Josef, den Mann Marias ...« Das matthäische Standesamt scheint aber andere Unterlagen besessen zu haben als das des Lukas. In Lk 3,23 heißt der Vater Josefs nämlich Eli. Nach einem traditionellen Muster zur Erklärung von Differenzen in den Evangelien könnte man versucht sein, die beiden Namen zu kombinieren. Weil der Zöllner Levi aus Mk 2,14 in Mt 9,9 Matthäus heißt, nahm man an, dass sein Name Levi-Matthäus war. Entsprechend könnte man den Großvater Jesu Eli-Jakob nennen. Man müsste dann allerdings den Vorfahren Jesu einen prinzipiel-len Hang zur Doppelnamigkeit zuschreiben. Der Urgroßvater Jesu (Mt: Mattan; Lk: Mattat) wäre geradezu die Ausnahme. In der Generation davor gäbe es den Eleazar-Levi, dann Eliud-Melchi, der Ururururgroßvater hieße Achim-Jannai usw. Offensichtlich ist dies kein gangbarer Weg, um die Unterschiede zwischen den Stammbäumen im Mt- und LkEv zu erklären.

Diese Differenzen weisen darauf hin, dass die Stammbäume christologi-sche Aussagen sind: Es geht um die Bedeutung der Person Jesu. Mt macht das durch das Schema von 3 x 14 Generationen ganz deutlich (1,17). In der Gleichzahl der Generationenfolge soll man den Plan Gottes erkennen. Er bestimmt die Geschichte in den drei wesentlichen Perioden: vom Anfang bis zur Etablierung des Königtums; von diesem Höhepunkt (David) über den Niedergang bis zum Tiefpunkt des babylonischen Exils; von da an bis zum »Endpunkt«, an dem der Messias erscheint. Der konstruierte Charakter des Stammbaums zeigt sich klar daran, dass unterschiedlich lan-ge Zeiträume mit derselben Generationenzahl abgedeckt werden. Wäh-rend der genannte Grundgedanke recht eindeutig zu erheben ist, bieten die Zahlenangaben des Mt im Detail einige Schwierigkeiten. Wer Freude am Zählen hat, kann einmal versuchen, die 3 x 14 Generationen im Stammbaum nachzuprüfen (Mt 1,2-16).