Katholisch-Theologische Fakultät
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Profil des Lehrstuhls

Was ist Christliche Sozialethik?

Leitendes Interesse der ethischen Reflexion am Lehrstuhl für Christliche Sozialethik wird die Frage nach den Konsequenzen des Umbruchs der Moderne mit ihren vielfältigen Ambivalenzen:

  • Wohlstandschancen und neuer Armut in der Globalisierung
  • Fortschritt und Risiko in technischen Entwicklungen
  • ungeahnte Freiheit und ihre Gefährdung in der pluralen Gesellschaft

Geprägt sind die bisherigen Forschungsarbeiten und Veröffentlichungen des Lehrstuhlinhabers durch den Spannungsbogen zwischen diesen grundlegenden Problemen einerseits und dem Kontext konkreter Entscheidungskonflikte andererseits. Viele Fragestellungen und Texte sind aus interdisziplinären Arbeitsgruppen, Projekten und Beratungstätigkeiten in Kirche, Politik und Wirtschaft entstanden und an diese Dialogprozesse rückgebunden.

Methodisch gehe ich davon aus, dass sich Christliche Sozialethik in diesen Umbruchprozessen als Entscheidungshilfe bewähren kann und muss, indem sie Maßstäbe, Kriterien und Grenzen der Güterabwägung verdeutlicht und in besonderer Weise die Perspektive derer berücksichtigt, die auf der Schattenseite der Gesellschaft stehen. Der christliche Glaube ist dabei keine Alternative zur vernünftigen Begründung ethischer Postulate, sondern eine Horizonterweiterung, die Vernunft freisetzt und humane Orientierungen auch dort ermöglicht, wo rationale Argumentationen an ihre Grenzen stoßen. Um im Streit pluraler Interessen und Überzeugungen die Zustimmungsfähigkeit und den „Mehrwert“ christlicher Ethik gegenüber säkularen Ethikentwürfen aufzuweisen, ist der Bezug zum gelebten Glauben und dem Zeugnis der Kirche notwendig. Von daher begleitet die sozialethische Reflexion kirchliche Praxis und will die befreiende Kraft des christlichen Glaubens im gesellschaftlichen Dialog verdeutlichen. Dieser wird als wechselseitiger Lernprozess zwischen Kirche und Gesellschaft verstanden. Nur als interdisziplinäres Fach wird sie ihrem eigenen wissenschaftlichen Anspruch gerecht und kann die Lebenswirklichkeit der Menschen heute angemessen reflektieren.

Theologische Ethik ist eine auf Handeln bezogene Reflexion der Wirklichkeit unter der Differenz von gut und böse; sie geht vom unbedingten Heilswillen Gottes für alle Menschen und die gesamte Schöpfung aus. Darin wurzeln der Eigenwert des Geschaffenen und die Unbedingtheit der Personwürde, die jedoch im Kontext naturaler und gesellschaftlicher Bedingtheiten des Lebens eingelöst werden müssen. Der Mensch ist sich selbst aufgegeben und steht stets neu vor Entscheidungen, die nur er selbst treffen und verantworten kann. Dies entbindet jedoch nicht von den Fragen nach einer gerechten Gestalt der sozialen Institutionen und nach den Voraussetzungen, unter denen Freiheit und ein gutes Leben für alle möglich sind. Hierfür fehlt es nicht an allgemeinen Appellen, sondern an differenzierten Analysen und Orientierungen in konkreten gesellschaftlichen Konfliktfeldern wie z.B. Sozialstaat, Klimaschutz, Agrarpolitik und Hungerbekämpfung oder Gentechnik. Nur eine konkrete Ethik ist wirklich hilfreich. Sie darf jedoch nicht zur bloßen Anwendungs- und Bereichsethik werden, sondern bedarf stets auch einer hermeneutischen Reflexion ihrer Methoden, Maßstäbe, theologischen Grundlagen, gesellschaftlich Voraussetzungen und Kommunikationsbedingungen.

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Forschungsfragen, die sich in den vergangenen Jahren vor dem Hintergrund dieses Fachverständnisses ergeben haben und weiter verfolgt werden sollen, sind u.a.:

Methoden der Entscheidungsfindung:

Wie kann der hohe Grad von „Nichtwissen“ in komplexen Zusammenhängen moderner Gesellschaft und Technik bewältigt werden? Welche Art von Wissen und Entscheidungshilfe bieten Theologie und christlicher Glaube? Wie kann unter diesen Voraussetzungen Verantwortung entscheidungs- und gesellschaftstheoretisch konkretisiert werden?
Weitere Informationen:

Gerechtigkeit:

Wie kann Gerechtigkeit im Spannungsverhältnis zwischen Solidarität und Wettbewerb heute so begründet und differenziert werden, dass sich daraus hilfreiche Orientierungen für die Gestaltung des Sozialstaates und Wirtschaftslebens ergeben? Welcher Stellenwert kommt dem Gleichheitspostulat für ein philosophisches und christliches Verständnis von Gerechtigkeit zu?
Weitere Informationen:

Klimawandel:

Wie können Gerechtigkeit, Wohlstand und Frieden angesichts des Klimawandels gesichert werden und welche Kompetenzen haben Theologie und Kirche, um an dieser strategischen Überlebensfrage für unsere Zivilisation mitzuwirken? Was sind Handlungschancen und Barrieren für eine Änderung des energetischen Stoffwechsels unserer Lebens- und Wirtschaftsweise?
Weitere Informationen:

Nachhaltigkeit:

Wie kann die Naturvergessenheit moderner Gesellschaft und wesentlicher Teile christlicher Ethik überwunden werden? Welche Konsequenzen ergeben sich, wenn man die ökologische Krise als „Zeichen der Zeit“ deutet? Welche Aussagen dazu gibt es bisher im katholischen Lehramt und wie kann christliche Sozialethik weiterentwickelt werden, um diesen Herausforderungen gerecht zu werden?
Weitere Informationen: