Katholisch-Theologische Fakultät
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Forschung und Projekte

Schwerpunkte im Fach Christliche Sozialethik

(Prof. Markus Vogt,  Stand: April 2007)

Leitendes Interesse der ethischen Reflexion am Lehrstuhl für Christliche Sozialethik wird die Frage nach den Konsequenzen des Umbruchs der Moderne mit ihren vielfältigen Ambivalenzen:

  • Wohlstandschancen und neuer Armut in der Globalisierung
  • Fortschritt und Risiko in technischen Entwicklungen
  • ungeahnte Freiheit und ihre Gefährdung in der pluralen Gesellschaft

Geprägt sind die bisherigen Forschungsarbeiten und Veröffentlichungen des Lehrstuhlinhabers durch den Spannungsbogen zwischen diesen grundlegenden Problemen einerseits und dem Kontext konkreter Entscheidungskonflikte andererseits. Viele Fragestellungen und Texte sind aus interdisziplinären Arbeitsgruppen, Projekten und Beratungstätigkeiten in Kirche, Politik und Wirtschaft entstanden und an diese Dialogprozesse rückgebunden.

Methodisch gehe ich davon aus, dass sich Christliche Sozialethik in diesen Umbruchprozessen als Entscheidungshilfe bewähren kann und muss, indem sie Maßstäbe, Kriterien und Grenzen der Güterabwägung verdeutlicht und in besonderer Weise die Perspektive derer berücksichtigt, die auf der Schattenseite der Gesellschaft stehen. Der christliche Glaube ist dabei keine Alternative zur vernünftigen Begründung ethischer Postulate, sondern eine Horizonterweiterung, die Vernunft freisetzt und humane Orientierungen auch dort ermöglicht, wo rationale Argumentationen an ihre Grenzen stoßen. Um im Streit pluraler Interessen und Überzeugungen die Zustimmungsfähigkeit und den „Mehrwert“ christlicher Ethik gegenüber säkularen Ethikentwürfen aufzuweisen, ist der Bezug zum gelebten Glauben und dem Zeugnis der Kirche notwendig. Von daher begleitet die sozialethische Reflexion kirchliche Praxis und will die befreiende Kraft des christlichen Glaubens im gesellschaftlichen Dialog verdeutlichen. Dieser wird als wechselseitiger Lernprozess zwischen Kirche und Gesellschaft verstanden. Nur als interdisziplinäres Fach wird sie ihrem eigenen wissenschaftlichen Anspruch gerecht und kann die Lebenswirklichkeit der Menschen heute angemessen reflektieren.

Theologische Ethik ist eine auf Handeln bezogene Reflexion der Wirklichkeit unter der Differenz von gut und böse; sie geht vom unbedingten Heilswillen Gottes für alle Menschen und die gesamte Schöpfung aus. Darin wurzeln der Eigenwert des Geschaffenen und die Unbedingtheit der Personwürde, die jedoch im Kontext naturaler und gesellschaftlicher Bedingtheiten des Lebens eingelöst werden müssen. Der Mensch ist sich selbst aufgegeben und steht stets neu vor Entscheidungen, die nur er selbst treffen und verantworten kann. Dies entbindet jedoch nicht von den Fragen nach einer gerechten Gestalt der sozialen Institutionen und nach den Voraussetzungen, unter denen Freiheit und ein gutes Leben für alle möglich sind. Hierfür fehlt es nicht an allgemeinen Appellen, sondern an differenzierten Analysen und Orientierungen in konkreten gesellschaftlichen Konfliktfeldern wie z.B. Sozialstaat, Klimaschutz, Agrarpolitik und Hungerbekämpfung oder Gentechnik. Nur eine konkrete Ethik ist wirklich hilfreich. Sie darf jedoch nicht zur bloßen Anwendungs- und Bereichsethik werden, sondern bedarf stets auch einer hermeneutischen Reflexion ihrer Methoden, Maßstäbe, theologischen Grundlagen, gesellschaftlich Voraussetzungen und Kommunikationsbedingungen.

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Forschungsfragen, die sich in den vergangenen Jahren vor dem Hintergrund dieses Fachverständnisses ergeben haben und weiter verfolgt werden sollen, sind u.a.:

Methoden der Entscheidungsfindung:

Wie kann der hohe Grad von „Nichtwissen“ in komplexen Zusammenhängen moderner Gesellschaft und Technik bewältigt werden? Welche Art von Wissen und Entscheidungshilfe bieten Theologie und christlicher Glaube? Wie kann unter diesen Voraussetzungen Verantwortung entscheidungs- und gesellschaftstheoretisch konkretisiert werden?
Weitere Informationen:

Gerechtigkeit:

Wie kann Gerechtigkeit im Spannungsverhältnis zwischen Solidarität und Wettbewerb heute so begründet und differenziert werden, dass sich daraus hilfreiche Orientierungen für die Gestaltung des Sozialstaates und Wirtschaftslebens ergeben? Welcher Stellenwert kommt dem Gleichheitspostulat für ein philosophisches und christliches Verständnis von Gerechtigkeit zu?
Weitere Informationen:

Klimawandel:

Wie können Gerechtigkeit, Wohlstand und Frieden angesichts des Klimawandels gesichert werden und welche Kompetenzen haben Theologie und Kirche, um an dieser strategischen Überlebensfrage für unsere Zivilisation mitzuwirken? Was sind Handlungschancen und Barrieren für eine Änderung des energetischen Stoffwechsels unserer Lebens- und Wirtschaftsweise?
Weitere Informationen:

Nachhaltigkeit:

Wie kann die Naturvergessenheit moderner Gesellschaft und wesentlicher Teile christlicher Ethik überwunden werden? Welche Konsequenzen ergeben sich, wenn man die ökologische Krise als „Zeichen der Zeit“ deutet? Welche Aussagen dazu gibt es bisher im katholischen Lehramt und wie kann christliche Sozialethik weiterentwickelt werden, um diesen Herausforderungen gerecht zu werden?
Weitere Informationen:

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Sie finden zu den vier genannten Themenbereichen jeweils einige Schlüsseltexte und repräsentative Literaturangaben. Die Texte sind teilweise noch unveröffentlicht und verstehen sich als Anregung zur Diskussion sowie zu weiterer Forschung am Lehrstuhl Christliche Sozialethik und darüber hinaus.

Drittmittelprojekte:

  • „Clearingstelle Kirche und Umwelt“ (Deutsche Bundesstiftung Umwelt, 1998 - 2001, dann Fortführung durch die süddeutsche Provinz der Salesianer Don Boscos sowie den Verein der Deutschen Diözesen)
  • „Kirchliches Umweltmanagement“ und „Sustainable Churches“ (Europäische Union, Programm "Life" sowie Deutsche Bundesstiftung Umwelt, 2000 - 2006, Koleitung, zusammen mit G. Koschwitz, KATE [hauptverantwortlich] und Dr. V. Teichert, FEST)
  • „Nachhaltige Landwirtschaft und Gerechtigkeitskonflikte im Agrarhandel“ (Deutsche Bundesstiftung Umwelt, 2004, zusätzlich dazu Exposure-Dialogprogramm mit Justita et Pax Deutschland in Sambia und Uganda, 2009)
  • „Schöpfungsverantwortung/Informationszentrum/nachhaltige Energieversorgung in der Ukraine“ (Deutsche Bundesstiftung Umwelt, 2007-08 und 2010-12) (Homepage des ukrainischen Projektpartners: http://church-nature.ucoz.ru)
  • „Glaubenssysteme im Klima- und Umweltwandel. Bedeutung von Religion für Klimaschutz, regionale Anpassung und globale Nachhaltigkeit“ (Volkswagenstiftung, Teilprojektleitung, beantragt)
  • „Ethischer Universalismus und sittlicher Pluralismus“ (Graduiertenkolleg; Deutsche Forschungsgemeinschaft, Teilprojekt im Rahmen des Münchner Ethik-Kompetenzzentrums, in Vorbereitung)
  • „Environment – Knowledge – Society: Models, Mediatedness, Interfaces” (Graduiertenschule im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder, Sprecher, in Vorbereitung)