Katholisch-Theologische Fakultät
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Dominik Schindler

Der Kairos im Chronos der Geschichtlichkeit. Michael von Faulhaber als Bischof von Speyer (1911-1917)

 

Kaum ein anderer deutscher Bischof des 20. Jahrhunderts kommt Michael von (seit 1913) Faulhaber, 1911-1917 Bischof von Speyer, 1917-1952 Erzbischof von München und Freising, 1921 Kardinal, an Bekanntheit gleich. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass er in rasch wechselnden sozio-politischen Konstellationen eine Persönlichkeit war, die sich am Puls der Zeit orientierte und pointiert zu aktuellen Anlässen Stellung bezog. 1911 zum jüngsten Bischof des Deutschen Reiches ernannt, erlebte er als wortmächtiger Repräsentant der katholischen Kirche in gesellschaftlich herausgehobener Position die letzten Jahre der Monarchie, den Ersten Weltkrieg, die Weimarer Republik, die nationalsozialistische Diktatur sowie die Anfangszeit der jungen Bundesrepublik, was ihn zu einer ebenso einflussreichen, wie facettenreichen und in manchem umstrittenen Persönlichkeit des deutschen Katholizismus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden ließ.

Ziel des Dissertationsprojekts ist es, die bislang kaum bekannte Periode Faulhabers als Bischof von Speyer zu untersuchen. Dabei soll neben dem politischen Engagement, das in der bisherigen Faulhaber-Literatur im Mittelpunkt stand, vor allem das seelsorgliche Wirken des Bischofs aufgearbeitet werden, steht es doch außer Frage, dass Faulhaber in erster Linie als Priester, Theologe, Bischof und Kirchenmann profiliert werden muss, um ein vollständiges Bild seiner Persönlichkeit zu gewinnen, das es wiederum ermöglicht, auch den politischen Faulhaber differenziert zu beurteilen. Dass beide Elemente – das pastorale wie das politische – zusammenfallen, zeigt sich bereits in der Speyerer Amtszeit, in die Ereignisse von so herausragender Bedeutung wie die Auseinandersetzung um die Freiheit der Kirche sowie der Ausbruch und Verlauf des Ersten Weltkriegs fallen.

Um das bischöfliche Wirken adäquat einordnen zu können, sollen alle Aspekte der Untersuchung vor dem Hintergrund der spezifischen Situation der Zeit analysiert und kontextuell verortet werden – ein Vorgehen übrigens, für das Faulhaber selbst die Begründung lieferte: „Ein gebildeter Mann muß immer imstande sein, eine einzelne Begebenheit oder Persönlichkeit in den Rahmen der betreffenden Kulturverhältnisse einzustellen, die immer, mehr oder weniger, auf die Kinder der Zeit abfärben“ (Rede „Wir Akademiker und die Kirche“, 05. Februar 1913).