Katholisch-Theologische Fakultät
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Niccolo Steiner SJ

Jesuitentheologen auf dem Konzil von Trient

Die Feier eines ökumenischen Konzils gehört zu den Höhepunkten im Leben der Kirche. Auf ihm sucht sie Antworten auf die Fragen und Nöte der Zeit, vergewissert sich ihrer selbst und versucht, sich in der Ausrichtung auf ihren Stifter zu erneuern. Die Umsetzung seiner Beschlüsse und Dekrete - als Buchstabe gewordener Geist desselben - dauert oft Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte. Fast 500 Jahre nach dem Beginn der Reformation (1517) und 450 Jahre nach Beendigung des Konzils von Trient (1563) erscheint es reizvoll, sich den theologischen Fragen des 16. Jahrhunderts unter historischer Rücksicht neu zu stellen. Das Dissertationsprojekt konzentriert sich hierbei auf die Thematik von Messe und Meßopfer als einem der großen kontroverstheologischen Felder neben Rechtfertigung und Ekklesiologie.

Mit Unterbrechungen tagte das Trienter Konzil über drei Sitzungsperioden (1545-47, 1551-1552 und 1562-1563) 18 Jahre lang, wodurch sich eine große Fluktuation der auf dem Konzil oder in seinem Umfeld agierenden Personen ergab: drei Päpste, zwei Kaiser, verschiedene Könige und Fürsten, Legaten und Oratoren, Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe, Ordensobere und Theologen.

Ausbildung und theologischer Kenntnisstand der meisten Konzilsväter erforderten es, qualifizierte Theologen unterschiedlicher Schulzugehörigkeit und Nationalität hinzuzuziehen, um die von den Reformatoren aufgeworfenen Fragen mit gebotener Ernsthaftigkeit und notwendiger Sachlichkeit zu behandeln und zu beantworten. Zum Teil kamen führende Vertreter unterschiedlicher theologischer Schulen und Fakultäten in Trient zusammen: Girolamo Seripando OESA (1492-1563, Melchior Cano OP (um 1503-1560), Domingo de Soto OP (1495-1560), Petro de Soto OP (um 1500-1563, Johann Grooper (1503-1559) oder Ruard Tapper (1487-1559). Dadurch konnten die komplexen Fragestellungen aus verschiedenen Blickwinkeln erörtert werden.

Während der Trienter Sitzungsperioden und dem Bologneser Zwischenspiel (1547-1548) waren zwei Theologen der erst 1540 gegründeten Gesellschaft Jesu anwesend: die Spanier Diego Laínez (1512-1565) und Alfonso Salmerón (1515-1585). Als Theologen des Papstes arbeiteten sie eng mit der jeweiligen Konzilsleitung zusammen, unterstützten diese bei der Ausarbeitung von Fragekatalogen als Diskussionsgrundlage für die Theologenkongregationen (TK), eröffneten und/oder schlossen deren Debatten mit ihren Beiträgen, erstellten Debattenzusammenfassungen (Summarien) für die Konzilsväter und halfen den Legaten bei der Erarbeitung und Redaktion der Konzilsdekrete. In der letzten Sitzungsperiode nahm Laínez dann als Ordensgeneral an den Generalkonkregationen und den feierlichen Sessionen der Konzilsväter teil.

Im Rahmen des Dissertationsprojektes sollen die geistesgeschichtlichen Hintergründe dieser beiden Konzilstheologen, die an der Reformuniversität Alcalá und an der Sorbonne studiert hatten, dargestellt und eine Art intellektuelles Profil skizziert werden. Ließen sie sich mit ihrer eigenen philosophischen, theologischen und geistlichen Prägung auf die Fragestellungen der Reformatoren ein? Kannten sie diese aus eigener Anschauung, aus deren eigenen Schriften oder nur aus dem Werken ihrer Gegner? Vor diesem Hintergrund soll ihren eigenen Beiträgen zu den Debatten und den Dekreten des Konzils, ihrem Verständnis vom Dienst an der Kirche und dem Arbeiten in ihrer 'Textwerkstatt' - zuweilen auch mit der Hilfe anderer Jesuiten, wie Claude Jay (1504-1552) und Petrus Canisius (1521-1597), nachgegangen werden. Gab es darüber hinaus Impulse für eine neue, eine jesuitische Art, Theologie zu treiben?

Die projektierte Arbeit versucht dies anhand der Problematik und den Debatten über Messe und Meßopfer nachzuzeichnen: zum einen, weil Messe und Selbsthingabe Jesu Christi konstitutiv für die Spiritualität der Geistlichen Übungen des Ignatius von Loyola (1491-1556) sind, zum anderen, weil die Debatte sich über die gesamte Dauer des Konzils erstreckte. Sie begann im Februar 1547 mit der Verteilung eines Fragenkataloges an die Theologen und mehreren TK, wurde nach der Translation in Bologna wiederaufgenommen, und es entstand ein Dekretsentwurf, der aber nicht verabschiedet werden konnte. In Trient begann 1551 die Debatte erneut mit nur leicht abgeänderten Fragen und kam mit dem Eucharistiedekret (11.10.1551) zu einem vorläufigen Abschluß. Die sich anschließende Meßopferdebatte blieb wiederum ohne Ergebnis und wurde erst in der letzten Sitzungsperiode mit den Dekreten zur Kommunion (16.06.1562), zum Meßopfer und zum Laienkelch (beide 17.09.15629 abgeschlossen. Durch die Darstellung dieser, sich über Jahre hinziehenden Thematik lassen sich also nicht nur die Beiträge der beiden Jesuitentheologen aufzeigen, sondern auch die Kontinuitäten und Diskontinuitäten des Konzils und der katholischen theologischen Schulen in der Mitte des 16. Jahrhunderts. Die meisten hierfür notwendigen Quellen sind in den Editionen der Monumenta Historica Societatis Jesu und des Concilium-Tridentinums der Görres-Gesellschaft zugänglich.

Durch den Ideenaustausch in Trient und Bologna und die Trienter Konzilsdekrete erhielt die katholische Theologie entscheidende Impulse, um auf die Anfragen der reformatorischen Theologen antworten zu können. Große Kontroverstheologen wie Robert Bellarmin S.J. (1542-1612), der dem alternden Salmerón bei der Veröffentlichung seiner Werke half, und Barocktheologen wie Francisco Suarez S.J. (1548-1617) zehrten von diesen Impulsen und Vorarbeiten. Das Dissertationsprojekt soll dazu beitragen, ein paar Steinchen eines Mosaiks der Theologiegeschichte des 16. Jahrhunderts zu erhellen.