Katholisch-Theologische Fakultät
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Sebastian Appolt

Aufbruch in die Moderne?
Katholische Akademiker (1917-24) zwischen katholischem Milieu, Bildungsbürgertum und pluraler Gesellschaft

Das Ende des 1. Weltkrieges vor nahezu 100 Jahren stellte für die mit der katholischen Monarchie in Bayern verbundenen Katholiken ebenso wie für das Spitzenpositionen gewöhnte Bildungsbürgertum in München eine Zeit des rasanten Umbruchs dar. Dieses Dissertationsprojekt möchte in dieser Umbruchszeit zwischen Kriegsende, Integration in die Weimarer Republik und linken und rechten Anfeindungen gegen dieselbe, aus sozial- und kulturgeschichtlicher Perspektive das wohl fortschrittlichste und ausdifferenzierteste - und damit wegweisende - Segment der Katholiken untersuchen. Daher wendet sich diese Arbeit den katholischen Akademikern in München zu und versucht diese sowohl als Teil des Bürgertums bzw. genauer des Bildungsbürgertums sowie als Teil des katholischen Milieus zu analysieren.


Hierbei strebt das Dissertationsprojekt die Mitwirkung am Abbau von Forschungsdesideraten in vierfacher Hinsicht an:
1. Soll für das Bürgertum erhellt werden, ob und in welchem Rahmen man von einem Niedergang bzw. Wandel des Bürgertums in der Weimarer Republik sprechen kann. Insbesondere für das Bildungsbürgertum wird immer wieder dessen Bedeutungsverlust und damit einhergehend ein stetiger Niedergang bzw. Wandel desselben betont. Dabei gehen die bisherigen Forschungen zumeist von einem protestantischen Bildungsbürgertum aus und vernachlässigen die katholischen Akademiker, die großteils auch dem Bildungsbürgertum zuzurechnen sind.
2. Parallel dazu soll für das katholische Milieu untersucht werden, wie stark innere Bindungstendenzen in der Weimarer Republik für Akademiker weiterhin Bestand hatten. Daneben ist zu analysieren, ob katholische Akademiker durch die Übernahme zahlreicher verantwortlicher Positionen nicht eine neue katholische Elite ausgestalteten.
3. Daran anschließend soll für das kleine gesellschaftliche Segment der katholischen Akademiker ausgemacht werden, wie diese mit den neuen Bedingungen und Diskursen der Weimarer Republik umgingen und insofern Stellung zur Moderne bezogen. Hier bieten sich Katholiken, welche in der Zeit des gesamten Kaiserreichs mit dem Vorwurf der Fortschrittsfeindlichkeit belegt waren, besonders gut als Ansatzpunkt einer Analyse an.
4. In der Zielperspektive soll zuletzt der Leitfrage dieser Arbeit nachgegangen werden, ob man die katholischen Akademiker der Weimarer Republik bereits als Teil einer ausdifferenzierten, segmentierten modernen Gesellschaft betrachten kann, die man dann als anfanghaft plurale Gesellschaft beschreiben könnte.