Katholisch-Theologische Fakultät
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Markus Gottswinter

Die Pfarrbeschreibungen des Erzbistums München und Freising von 1817. Edition und vergleichende Analyse.

Nach der Säkularisation von 1803 beabsichtigte die bischöflich-freisingische Verwaltung schon früh, die pastorale Situation der Pfarreien des Bistums nach einem einheitlichen Frageraster zu erfassen. Der entscheidende Anstoß kam dann allerdings von staatlicher Seite. Nach entsprechender königlicher Verfügung vom 13. April 1812 wandte sich das Generalvikariat am 11. August 1813 an die Dekane der Ruralkapitel sowie an die Stadtpfarrer von München und Landshut und ordnete die Erstellung eines Registers "der sämtlichen Pfarreyen" der Diözese Freising "nebst Aufzählung der eingepfarrten Ortschaften [...] mit Angabe der Entfernung vom Pfarrorte [...] und der Seelenzahl, dann der Kreiskommissariate" an.

Nach der Verlegung des Bischofssitzes von Freising nach München und der Erhebung zum Erzbistum 1817 befand der bischöfliche Registrator Martin Deutinger das Ergebnis dieser Befragung als überholt. Am 16. Oktober 1817 erging deshalb ein im Unterschied zu 1813 erheblich erweiterter Fragekatalog an die Dekane. Aus dem Rücklauf der Antworten stellte der bischöfliche Registrator Joscio Placidus Reuser eine Sammelhandschrift zusammen, die eine detaillierte und bemerkenswert differenzierte Beschreibung der pastoralen Situation des 1817/21 neu errichteten Erzbistums München und Freising enthält.

Aufgabe des Dissertationsprojekts ist zunächst die kritische Edition des sechs handschriftliche Bände umfassenden Manuskripts. Sodann soll in einem die Edition einleitenden und kommentierenden Teil eine vor allem institutionen-, sozial- und frömmigkeitsgeschichtliche Analyse der kirchlich-pastoralen Situation nach der Aufkärungs- und Säkularisierungsepoche folgen. Sie dürfte darüber hinaus auch wichtige Erkenntnisse für die Verkehrs-, Wirtschafts-, Kunst- und Kulturgeschichte Bayerns liefern. Hingewiesen sei vorläufig nur auf die vielen zum Abbruch bestimmten Kirchen sowie die Tatsache, dass der Klerus zwar die magere staatliche Besoldung beanstandet, sich jedoch mit der Säkularisation ansonsten offenbar klaglos abgefunden hat.