Katholisch-Theologische Fakultät
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Katharina Krips

Johann B. Hirschmann SJ (1908-1981): Theologe und Kirchenpolitiker zur Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils, Konzilsperitus von Bischof Hengsbach

 

Johann Baptist Hirschmann, dem das vorliegende Dissertationsprojekt gewidmet ist, wurde am 16. Mai 1908 in Püttlingen an der Saar geboren. Nach Eintritt in den Jesuitenorden 1926 absolvierte er in den Folgejahren philosophische, theologische und sozialwissenschaftliche Studien in Valkenburg, Rom und Münster. 1936 zum Priester geweiht war Hirschmann während des Zweiten Weltkrieges vor allem seelsorgerlich tätig. So fallen in jene Jahre auch die Begegnungen mit Alfred Delp SJ (1907–1945) und Edith Stein (1891–1942), welche ihn in seinem Denken und Handeln nachhaltig prägen sollten. Nach dem Krieg lehrte Hirschmann in Büren; von 1950 bis 1976 war er schließlich als Professor für Moral- und Pastoraltheologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main tätig. In vielfältiger Weise beteiligt war Hirschmann in den Nachkriegsjahren am Aufbau der Bundesrepublik, indem er in mehreren Gremien zu Gesetzgebung und Gesetzesreform als theologischer Berater fungierte. Gleiches gilt für die Mitarbeit an der Neuordnung und Etablierung kirchlicher Strukturen nach Kriegsende, insbesondere des katholischen Vereins- und Verbandswesens sowie des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, welchen sich Hirschmann – selbst seit Jugend tief verwurzelt im Bund Neudeutschland – besonders verbunden fühlte. Parallel dazu stand er zudem Bischöfen, Bischofskonferenzen, Laienorganisationen und Politikern mit seinem Rat und Fachwissen in den unterschiedlichsten Themenbereichen zur Seite.

Fest eingebunden war Hirschmann auch in die Arbeiten des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965). Bereits 1960 zur Vorbereitung des Konzils in die Commissio de apostolatu laicorum berufen, wuchsen ihm mit fortschreitender Dauer des Konzils zunehmend neue Aufgaben zu: Peritus privatus des Essener Bischofs Franz Hengsbach (1910–1991), Mitarbeit am Dokument über die Massenmedien Inter mirifica, Mitgliedschaft in der Kommission für die Erstellung der späteren dogmatischen Kirchenkonstitution Lumen gentium sowie in der Kommission für die Erarbeitung der Pastoralkonstitution Gaudium et spes. Mit Abschluss des Konzils stand Hirschmann weiter in dessen Diensten, so durch mannigfache Übersetzungsarbeiten verschiedener Konzilstexte im Auftrag der deutschen Bischöfe, durch Gremienzugehörigkeiten zur praktischen Umsetzung des Konzils und nicht zuletzt durch seine rege Vortrags- und Beratungstätigkeit, sei es auf Katholikentagen oder im außerkirchlichen Raum, in welchen er durchgängig das Konzil thematisierte, dessen Impulse verständlich zu machen suchte und vergessene in Erinnerung rief. Ebenso war Hirschmann engagiertes Mitglied beim „Deutschen Konzil”, der Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik (1971–1975), in deren Vorbereitung er bereits involviert war. Am 8. Februar 1981 verstarb Johannes Baptist Hirschmann in Duisburg.

Ziel des Dissertationsprojektes ist eine möglichst präzise Aufarbeitung des theologischen und kirchenpolitischen Lebenswerkes Hirschmanns aus historischer Perspektive, die Untersuchung einer möglichen Entwicklung seines Denkens und Argumentierens eingeschlossen. Im Fokus stehen hierbei die 1960er Jahre, vor allem die Jahre des Zweiten Vatikanischen Konzils. So sollen die verschiedenen Kommissionszugehörigkeiten Hirschmanns untersucht sowie mögliche Impulse, Beiträge und Überzeugungen seinerseits erörtert werden – bei aller gebotenen Vorsicht einer solchen Unternehmung. Zudem soll seine Beratertätigkeit als Konzilsperitus Bischof Hengsbachs ausgewertet und nicht zuletzt seine hohe und von vielen Konzilsvätern sehr geschätzte Kompetenz, personelle und informelle Netzwerke zu knüpfen, profiliert und gewürdigt werden. Gerade die aktuelle Konzilsforschung weist auf den unverzichtbaren, jedoch bis vor kurzem noch wenig berücksichtigten Wert solchen Networkings für Verlauf und Ausgang des Zweiten Vatikanums hin. Gleichzeitig soll der Blick auf den Einsatz Hirschmanns in Kirche, Politik und Gesellschaft, welchen er neben seinen Konzilsaktivitäten fortsetzte und weiter entfaltete, die Konturen des überkonfessionell und international agierenden Theologen und Kirchenpolitikers Hirschmann präzisieren.