Katholisch-Theologische Fakultät
print

Links und Funktionen

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Tina Putz

Joseph Jakob von Heckenstaller (1748-1832). Generalvikar und Apostolischer Vikar in Freising

Die politischen und territorialen Umwälzungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts bedeuteten für die katholische Kirche in Deutschland eine ihrer einschneidendsten Zäsuren. Sie führten zur Auflösung der adelig-feudalen Reichskirche und zerstörten Strukturen, die diese jahrhundertelang geprägt hatten. Die Säkularisation der geistlichen Fürstentümer 1802/03 betraf auch das Fürstbistum Freising, das der Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 dem Kurfürsten von Bayern zugesprochen hatte. Dieser hatte das fürstbischöfliche Territorium kaum in Besitz genommen, als der letzte Freisinger Fürstbischof Joseph Konrad von Schroffenberg (1790-1803) am 4. April 1803 verstarb. Da das Domkapitel als aufgelöst galt und die kurbayerische Regierung die Wahl eines Nachfolgers nicht zuließ, blieb der Bischofsitz blieb bis zur Errichtung des Erzbistums München und Freising 1817 und der Installation des ersten Erzbischofs im Jahre 1821 vakant.

In dieser Situation übertrug der zuständige Metropolit, der Salzburger Erzbischof Hieronymus Graf von Colloredo (1772-1812), dem Geistlichen Ratskollegium auf dessen Bitte hin die Vollmacht für die interimistische Bistumsleitung. Im Laufe der folgenden Jahre verstarben sukzessive wichtige Mitglieder des Geistlichen Ratskollegiums, so dass der Geistliche Rat Joseph Jakob (seit 1822 von) Heckenstaller (1748-1832) immer stärker in die Verwaltung des Bistums hineinwuchs. 1814 wurde er durch königlichen Beschluss zum Generalvikariatsdirektor, 1819 vom Papst zum Apostolischen Vikar in Freising ernannt. Als solcher hat er die Amtsgeschäfte mit Sachverstand und Verantwortung geführt und das Bistum trotz Anfeindungen des Münchener Nuntius durch die schwierige bischofslose Zeit zwischen Säkularisation und Neuordnung der kirchlichen Verhältnisse 1817/21 geführt.

Umso überraschender ist es, dass Leben und geistig-geistliche Prägung Heckenstallers sowie seine weitverzweigte kirchenpolitische und pastorale Tätigkeit weitgehend unerforscht geblieben sind und ein dringendes Desiderat der kirchen- wie bistumsgeschichtlichen Forschung darstellen. Ziel des Dissertationsprojektes ist deshalb die Erarbeitung einer Biographie Heckenstallers vor dem Hintergrund der politischen, kirchlichen und pastoralen Herausforderungen der Zeit. Untersuchungsleitend sind dabei die Fragestellungen, wie es Heckenstaller gelang, die Interessen des Bistums Freising gegenüber der Kirchenpolitik des bayerischen Staatsministers Maximilian von Montgelas (1759-1838) einerseits, der zentralistisch agierenden Römischen Kure, die auf päpstliche Vorrechte pochte, anderseits zu wahren; sodann, wie es Heckenstaller gelang, die pastorale Versorgung der Gläubigen seines Bistums trotz widriger Umstände sicherzustellen.