Katholisch-Theologische Fakultät
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Romfahrt 2015

Bericht: Seminar „Struktur und Arbeitsweise der Römischen Kurie“
WS 2014/2015

 

Gemäß inzwischen guter Tradition lud Prof. Güthoff auch in diesem Jahr nach Rom zu einem Blockseminar ein, das sich mit der „Struktur und Arbeitsweise der Römischen Kurie“ beschäftigte und vom 16. – 20. 2. 2015 stattfand.

 

Am Montag, den 16. 2., startete das Seminar in der berühmten Via della Conciliazione bei der Kongregation für die Ostkirchen, die uns zunächst summarisch durch ein Kurzreferat eines Studenten, dann ausführlicher von dem Sekretär der Kongregation, Erzbischof Cyril Vasil, vorgestellt wurde, der uns herzlich willkommen hieß und nicht nur über die Aufgaben und die Bedeutung der Kongregation sprach, sondern anschließend ausführlich und gerne Fragen der Studenten beantwortete, ein Angebot, das zahlreich angenommen wurde.

Im Anschluss setzten wir das Seminar einige Meter weiter fort an der Piazza Pio XII 3, die an den Petersplatz grenzt, mit einem Besuch der Kongregation für den Klerus, in der uns Msgr. Dr. Gehr und Msgr. Dr. Gruber empfingen und über das weite Aufgabenspektrum des Dikasteriums informierten, wozu unter anderem die umfassende Sorge für die Kleriker in ihrem Dienst, ihren Rechten und Pflichten gehört, sowie die Genehmigung für die Herausgabe der Katechismen und sonstiger Schriften, die zur religiösen Bildung beitragen. Die Begegnung endete mit einem persönlichen Gruß des Präfekten, Beniamino Kardinal Stella, der uns viel Eifer und Freude, aber immer im Licht des Glaubens, ans Herz legte.

Als drittes Dikasterium lernten wir am Vormittag die Kongregation für die Institute des Geweihten Lebens und für die Gesellschaften des Apostolischen Lebens kennen, in der Msgr. P. Dr. Clemens Gutberlet LC informierte. Hauptsächlichste Aufgaben der Kongregation sind die Errichtung  und Aufhebung von Ordensinstituten, Säkularinstituten und Gesellschaften des Apostolischen Lebens, die Sorge um die Erfüllung der evangelischen Räte und der Gründerspezifischen Ziele. Darüberhinaus erfuhren wir, dass am Dikasterium aktuell 41 Personen arbeiten, davon etwa ein Drittel Gottgeweihte Frauen.

Den Abschluss des ersten Tages des Seminars bildete ein Besuch der Päpstlichen Lateran-Universität, in der uns der Rektor, Bischof Enrico dal Covolo, und Patrick Valdrini, Professor für Kirchenrecht, willkommen hießen. Michele Riondino gab zudem einen Überblick über die Struktur der Universität, Methodik des Kirchenrechts und betonte, dass die Fakultät für Kirchenrecht die größte der Päpstlichen Universitäten sei. Im Anschluss daran stellten Studenten und Prof. Güthoff in je einem Kurzreferat weitere Dikasterien der Römischen Kurie vor, die größtenteils in den nächsten Tagen besucht werden würden.

 

Der Dienstag, 17. 2., begann abermals in der Via della Conciliazione, diesmal in einem etwas unbekannteren, aber nicht uninteressanten Dikasterium, dem Rat für die Pastoral im Krankendienst. Dort empfing uns der Sekretär Bischof Jean-Marie Mpendawatu und erklärte die Sorge des Rates für alle im Krankendienst Tätigen sowie die Kohärenz der Morallehre der Kirche über die Krankheit mit der Bedeutung für das Leben der Kranken und Leidenden. Praktisch veranstaltet der Rat dazu Tagungen, den Welttag der Kranken und gibt entsprechende Handreichungen und fördert und koordiniert verschiedene Vereinigungen.

Beim Rat für die Neuevangelisierung, der erst seit 2010 auf Wunsch Benedikts XVI. geschaffen worden ist, erwartete uns Dr. Helmut Rakowski OFMCap, der die Herausforderung des Rates, Antworten auf aktuelle politische und gesellschaftliche Phänomene, wie Säkularisierung, Fortschritt in Wissenschaft und Technik, Moralverfall etc. zu geben, anmerkte. Ferner obliegt dem Rat seit 2013 die Zuständigkeit für die Katechese.

Einen herzlichen Gruß ließ uns der Präsident des Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kurt Kardinal Koch, durch Msgr. Matthias Türk ausrichten, der über die grundlegende Aufgabe und die Bestrebungen der Ökumene referierte, die zwar vor allem den getrennten Christen galt, sondern der Rat auch die Beziehungen zu den getrennten orientalischen Kirchen oder zum Judentum fördere, wofür es eine dem Dikasterium zugehörige Kommission gebe. Insgesamt erfuhren wir, dass die Ökumenischen Bestrebungen immer eine Herausforderung und nicht selten unproblematisch seien.

Auch am heutigen Nachmittag trafen wir uns zu einer Arbeitssitzung in der wohl berühmtesten Päpstlichen Universität, der Gregoriana. Dort empfing uns Prof. Ulrich Rohde, Professor für Kirchenrecht. In weiteren Referaten erhielten wir wie bereits am Vortag summarische Informationen über Einrichtungen der Römischen Kurie, oder über den Staat der Vatikanstadt generell. Im Anschluss durften wir noch einen strafrechtlichen Vortrag hören von P. Dr. Rafael M. Rieger OFM über die „Delicta graviora“, Straftatbestände, die der Kongregation für die Glaubenslehre vorbehalten sind.

 

Der Mittwoch, 18. 2., hielt für uns ein besonderes Programm bereit. Denn wir bekamen die Gelegenheit an der Generalaudienz mit Papst Franziskus auf dem Petersplatz teilzunehmen. Eine Möglichkeit, die wir im Rahmen unseres Romaufenthalts zahlreich nutzten. In seiner Ansprache, die die Katechesen-Reihe über die Familie fortsetzte, stellte der Papst diesmal die Rolle der Geschwister und die Bedeutung der Brüderlichkeit heraus und betonte, dass es „einen Bruder, eine Schwester zu haben, die dich lieben, eine starke, unbezahlbare, unersetzliche Erfahrung“ ist. Dieses Geschenk, diese Bande der Brüderlichkeit sei zu schützen, denn wo sie zerbricht, sei es nicht nur eine schmerzhafte Erfahrung, sondern dann geschehe dasselbe, was mit Kain und Abel geschah. Eine besondere Freude war der abschließende Gruß des Papstes an uns Studenten des Kirchenrechts aus München und Augsburg.

Nachmittags besuchten wir die Deutsche Botschaft beim Heiligen Stuhl, in der uns die derzeitige Botschafterin der Bundesrepublik, Frau Annette Schavan, in dem sehr großzügigen und beeindruckenden Anwesen willkommen hieß und gastfreundlich aufnahm. Fragen gab es genug und sehr gerne gab sie auf alles Antwort, sodass eine lebhafte Diskussion entstand. Wir erfuhren nicht nur, dass die Hauptaufgabe die Repräsentation Deutschlands ist, sondern dass es auch keine speziellen Anforderungen für die Bewerbung als Botschafter gab, was manche Studenten über den weiteren Werdegang nachdenken ließ.

 

Botschaft

 

Am Donnerstag, 19. 2., erwartete uns ein abwechslungsreiches Programm, das größtenteils sehr wichtige Dikasterien umfasste, die vor allem für die Kirchenrechtsstudenten von besonderem Interesse waren. Der Tag begann beim Rat für die Kultur, in dem uns der Präsident, Gianfranco Kardinal Ravasi und Msgr. Dr. Kovács einen Einblick in ihre Tätigkeit gaben, wozu die Veranstaltung von Kongressen, Gespräche mit Wissenschafts- und Lehreinrichtungen und die Durchführung entsprechender Initiativen gehören, die gemäß PB Art. 166 das Ziel verfolgen, „dass sich die weltliche Kultur mehr und mehr dem Evangelium öffne und … zum Wahren, Guten und Schönen gerufen“ weiß.

Gespannt gingen wir im Anschluss zur Piazza del S. Ufficio, um die Kongregation für die Glaubenslehre kennenzulernen. Dort erwartete uns Dr. Manfred Bauer, der vor einigen Jahren selbst als Münchner Student das Seminar besucht hat und inzwischen in der Kongregation arbeitet. Nach einem kurzen historischen Abriss folgte ein prägnanter Überblick über die hauptsächlichsten Aufgaben, die Dr. Bauer begann, und die dann vom Präfekten der Kongregation, Gerhard Kardinal Müller, der im Verlauf dazu kam, fortgesetzt wurden. Hauptsächliche Aufgabe sei es die katholische Glaubenslehre universalkirchlich zu fördern, vor allem aber sie gegen Irrlehren zu verteidigen und rein zu bewahren. Zu diesem Zweck unterstütze sie die Bischöfe, prüfe Bücher und zweifelhafte Lehrmeinungen, die mit der Glaubenslehre unvereinbar sind und urteilt über die schwersten Straftaten, deren Lösung der Kongregation vorbehalten ist. Bevor wir nach dem Gespräch noch die Kapelle des Dikasteriums besuchen durften, erteilte uns Kardinal Müller seinen Segen.

Direkt im Anschluss ging es weiter zu Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, in der uns der Generalrelator P. Dr. Vincenzo Criscuolo OFMCap herzlich begrüßte und über die ganz eigene unvergleichliche Materie der Kanonisationsverfahren berichtete und vor allem damit verbundene Fragen gerne beantwortete. Wir erfuhren auch über die Schwierigkeiten von Selig- und Heiligsprechungsprozessen, die nicht selten Jahre dauerten oder auch wieder eingestellt würden, sei es aus zu wenig Beweismaterial für die Feststellung des Tugendgrades, eines Wunders oder auch aus rein finanziellen Gründen. Damit ein Verfahren nicht mehr aus letztgenanntem Grund eingestellt werden müsse, solle es künftig einen entsprechenden Fonds geben.

Zum zweithöchsten Gericht der katholischen Kirche, der Rota Romana, machten wir uns Nachmittags auf, wo wir von einem der Bandverteidiger des Gerichts, Msgr. Dr. Robert Golebiowski, durch das imposante und beeindruckende Gebäude geführt und über die Arbeit, die Struktur und die Verfahren, sowie über das Studio Rotale, das Voraussetzung zur Mitarbeit an der Rota ist, informiert wurden. Den Großteil der Arbeit bilden die Ehenichtigkeitsprozesse, zum gegenwärtigen Zeitpunkt 650 Verfahren, einen geringen Anteil bilden Strafprozesse.

Vom zweithöchsten Gericht ging es innerhalb des großzügigen Palazzo nur wenige Meter weiter zum höchsten Gerichtshof der Apostolischen Signatur. Prof. P. Nikolaus Schöchs OFM Vortrag anhand eines konkreten Falles war so fundiert und beeindruckend, dass wahrhaftig kaum mehr Fragen offen blieben.

 

Ein weiteres wichtiges Dikasterium besuchten wir als erstes am Freitag, 20. 2., mit dem Rat für die Gesetzes texte, dessen Präsident, Francesco Kardinal Coccopalmerio, persönlich begrüßte und das Gespräch mit uns führte. Hauptzuständigkeit des Rates ist die Erklärung und Interpretation, auch die authentische, kirchlicher Gesetze, sowie deren Erarbeitung oder Änderung im Auftrag des Papstes. Dabei erfuhren wir auch, dass die von Papst Benedikt XVI. angestoßene Reform des Strafechts des CIC/1983, ruhe. Desweiteren obliegt dem Rat die Prüfung von Dekreten der Bischofskonferenzen, sowie die Hilfestellung für andere kuriale Dikasterien.

Danach gingen wir zu einer für Studenten nicht unbedeutenden Kongregation, nämlich für das Katholische Bildungswesen, wo uns der Präfekt, Zenon Kardinal Grocholewski, und Mitarbeiter P. Dr. Rafael Rieger OFM, der uns schon vom Vortrag in der Universität Gregoriana bekannt war, begrüßten. Mittels eines kurzen Films sahen wir, wie wichtig Bildung sei und wie viel Menschen in anderen Ländern, in denen sie nicht selbstverständlich ist, dafür auf sich nehmen. Die Kongregation ist bemüht Diözesanbischöfe bei der Errichtung katholischer Schulen zu unterstützen und sorgt weltweit für genügend kirchliche und katholische Universitäten, deren Statuten sie ebenfalls überprüft.

Besonders freundlich empfing uns P. Markus Solo SVD, der sich herzlich über unseren Besuch freute und auf Fragen bereitwillig und gerne Auskunft gab. Anders als der Rat zur Förderung der Einheit der Christen, blickt dieses Dikasterium nicht auf die Beziehung der Christen untereinander, sondern auf die Beziehung der katholischen Kirche zu anderen Religionen, die gefördert werden durch Dialog, Studien, Zusammenkünfte, die die gegenseitige Wertschätzung und Respekt gegenüber dem anderen Gesprächspartner aufbauen sollen. Von besonderer Aktualität sei derzeit der Dialog mit dem Islam.

Eine Begegnung ganz eigener Art war für uns die Begegnung mit Herrn Benedikt Steinschulte, einem Mitarbeiter des Rates für die Sozialen Kommunikationsmittel, dessen interessanten und unermüdlichen Erläuterungen und Erzählungen über die Öffentlichkeitsarbeit des Vatikans wir gespannt zuhörten. Dabei erfuhren wir so manche Interna über die Beziehung des Vatikans zu den modernen Medien und über die Medienstrategie des Papstes.

Die letzte und vielleicht eindrucksvollste Station unseres Kurien-Seminars bildete der Besuch – ja im Grunde schon der Weg dorthin – des Staatssekretariats, zu dem wir, vorbei an der Schweizer Garde, über Treppen und Gänge in den Apostolischen Palast gelangten, bis zur Bibliothek, in der Prälat Dr. Stephan Stocker auf uns wartete. Er erzählte zunächst ausführlich über die Geschichte des Staates der Vatikanstadt und berichtete anschließend über aktuelle diplomatische Beziehungen zu den Staaten der Welt, mit denen Abkommen geschlossen wurden oder in Kürze geschlossen würden oder zu denen es gar keine Beziehungen gab. Doch nicht nur die Diplomatie gehört zu ihren Aufgaben, sondern alles, was der Papst seltener, wie die Planung von Reisen, oder täglich zu erledigen hat, wie etwa in päpstlichem Auftrag die Abfassung Apostolischer Konstitutionen, Dekrete und Briefe, desweiteren die Herausgabe der AAS, die Überwachung des Osservatore Romano und Radio Vatikan. Nach diesem Einblick und vielen beantworteten Fragen erlebten wir noch ein Highlight von besonderer Einmaligkeit. Wir durften zunächst von einem Balkon über den Staat der Vatikanstadt sehen und dann einen herrlichen Ausblick von einer Terrasse aus auf den nächtlich erleuchteten Petersplatz und Petersdom genießen, dessen Kuppel greifbar nah schien. Das war ein unvergesslicher Abschluss eines beeindruckenden und lehrreichen Seminars, das lange in guter Erinnerung bleibt! Herzliche sei Prof. Güthoff gedankt für die Vorbereitung, Begleitung und Durchführung, für die unvergesslichen Tage in der Ewigen Stadt, die uns ermöglicht und geschenkt wurden!