Katholisch-Theologische Fakultät
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Romfahrt 2016

Blockseminar:
„Struktur und Arbeitsweise der Römischen Kurie“
vom 7.-11. März 2016 in Rom

Gute Traditionen sollten fortgesetzt werden - das gilt auch für das inzwischen von Prof. Dr. Dr. Elmar Güthoff initiierte und schon bekannt gewordene Seminar über die „Struktur und Arbeitsweise der Römischen Kurie“, das auch in diesem Jahr in Rom stattfand.
Unserer Gruppe aus München schlossen sich diesmal auch wieder Studenten aus Augsburg und erstmals auch aus Trier an, unter Begleitung von Prof. Dr. Ohly. In der Seminarwoche besuchten wir fast alle Dikasterien und lernten so das „Werkzeug in den Händen des Papstes“ (AK Pastor Bonus, Einleitung Nr.7) kennen.

Fast schon gewohnheitsrechtlich führte uns der erste Termin zur Kongregation für die Orientalischen Kirchen, in der uns der Sekretär, Erzbischof Dr. Cyril Vasil, empfing und uns über die Geschichte und Arbeit der Kongregation informierte. Ein besonderes Spezifikum der Kongregation ist, dass sie die einzige ist, die nicht nur für eine Kirche, die lateinische, sondern für alle katholisch-orientalischen Kirchen zuständig ist, und dies in fast allen Bereichen.
Gleich im Anschluss besuchten wir nur wenige Meter weiter die Kongregation für den Klerus, in der uns Mons Dr. Gehr und Mons. Dr. Gruber über ihre Aufgaben informierten. Durch sie ließ uns auch der Präfekt Beniamino Kardinal Stella einen herzlichen Gruß übermitteln. Wir erfuhren, dass die Kongregation nicht nur für alles zuständig ist, was den Klerus unmittelbar betrifft, wie Aus- und Fortbildung oder die Gewährung von Dispensen, sondern dass auch die Herausgabe von Schriften und alles, was Heiligtümer und Stiftungen angeht, zu ihrer Kompetenz zählt und der Bereich der Katechese nun mehr beim Rat für die Neuevangelisierung liegt. Solche Aufgabenverschiebungen innerhalb der Dikasterien kämen immer wieder von Zeit zu Zeit vor.
Der letzte Termin am Vormittag führte uns zur Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, in der uns Dr. Michael Kahle erwartete und uns die Hauptaufgaben vorstellte: Übersetzungen der Messbücher in verschiedene Sprachen, Überwachung der liturgischen Ordnung, Überprüfung der Gültigkeit und Erlaubtheit von Sakramenten. Auch die Herausgabe der Zeitschrift „Notitiae“ obliegt der Kongregation.
Nachmittags trafen wir uns zur Arbeitssitzung in der Päpstlichen Universität Santa Croce, die der Personalprälatur des Opus Dei anvertraut ist. Dort wurden Referate gehalten von Seminarteilnehmern zu den Dikasterien, die entweder am nächsten Tag auf dem Programm standen oder die im Rahmen des Seminars zwar nicht besucht werden konnten, aber doch zur Römischen Kurie gehören.
In der Kongregation für die Bischöfe erwartete uns am nächsten Tag Untersekretär Mons. Udo Breitbach, Untersekretär der Kongregation die insgesamt etwa 30 Mitarbeiter zählt. Das Dikasterium ist in mehrere Sprach- und eine Rechtssektion gegliedert, sowie in ein Büro, das zuständig ist für die Ad-limina-Besuche der Bischöfe. Wir erfuhren u.a., dass es im Jahr 2014 204 Bischofsernennungen gab und Papst Franziskus die Richtlinie gab, bei Bischofsernennungen genauer auf die Eignung der Kandidaten zu sehen.
Mit einem Gebet begann unser Besuch im Rat für die Neuevangelisierung, in dem Don Geno Sylva zwar weniger über die konkreten Aufgaben des Rates, dafür mit umso größerem Elan und unvergesslicher Begeisterung über die Bedeutung der Evangelisierung in der heutigen Zeit sprach, deren Notwendigkeit er - angelehnt an ein Zitat Joseph Ratzingers aus dem Jahr 2001 - in einer „Armut an Freude“ begründet sieht. Mit neuen Methoden müsse den Menschen in den unterschiedlichsten Lebenskontexten die Realität der Existenz Gottes und seiner liebenden Fürsorge vermittelt und zugesprochen werden. Der Rat für die Neuevangelisierung ist auch beauftragt mit der Organisation des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit, das am 20. November dieses Jahres endet.
Mit dem Rat für die Kultur lernten wir ein eher unbekanntes Dikasterium kennen. Mons. Dr. Gergely Kovács informierte über den 1982 gegründeten Rat, der mit 20 Mitarbeitern u.a. in den Bereichen der Inkulturation, des Zusammenhangs von Kunst und Glaube, der Bedeutung des Sports tätig ist. Eine wichtige Veranstaltung ist der sogenannte „Vorhof der Völker“, der regelmäßig stattfindet als Treffen zwischen Glaubenden und Nichtglaubenden.
Am Nachmittag waren wir zu Gast in der berühmten und schon allein vom Gebäude beeindruckenden Päpstlichen Universität Gregoriana, in der wir von Prof. Ulrich Rohde, Professor für Kirchenrecht, begrüßt wurden. Auch dort folgten weitere Referate der Seminarteilnehmer.
Nach der Arbeitssitzung besuchten wir am Abend eine Vorlesung von Dr. Manfred Bauer, Mitarbeiter an der Kongregation für die Glaubenslehre, über „Die Behandlung der delicta graviora an der Kongregation für die Glaubenslehre“.
Da aufgrund der während der Seminarwoche stattfindenden Exerzitien des Papstes mit den Leitern der Dikasterien der Besuch der Mittwochsaudienz entfiel, hatten wir Zeit und Gelegenheit, drei Einrichtungen der Kurie im römischen Stadtteil Trastevere zu besuchen.
Der Rat für die Laien, in dem uns der Sekretär Bischof Dr. Josef Clemens empfing, ist zuständig für den Kontakt mit neueren Laiengemeinschaften, wie beispielsweise die charismatische Erneuerung, die geschätzt größte Gruppe, die Vorbereitung der Weltjugendtage, Vorbereitung und Durchführung von Kongressen. Nach Dr. Clemens gebe es in den Aufgaben und Intentionen teilweise Überschneidungen mit dem Rat für die Neuevangelisierung, was zu bemängeln sei.
Besonders herzlich begrüßte uns der Rat für die Seelsorge für Migranten und Menschen unterwegs durch den Büroleiter Mons. Robin Wijesinghe. Zielgruppen bilden alle Menschen, die sich außerhalb ihres Wohnsitzes befinden oder keinen haben, wie Migranten, Flüchtlinge, Seeleute, Touristen, Wallfahrer, Zirkusleute etc. Aus aktuellem Anlass lag der Schwerpunkt der Vorstellung sowie der anschließenden regen Diskussion auf der Frage nach dem Umgang mit Flüchtlingen, die der Rat mit Verweis auf zwei Dokumente mit der Forderung nach Bereitschaft zur Aufnahme von Flüchtlingen beantwortete, ohne Unterschied von Religion oder Herkunftsland.
Abschließend erfuhren wir im Rat für Gerechtigkeit und Frieden von der Untersekretärin Dott.ssa Flaminia Giovanelli über seine Tätigkeiten im Bereich der Organisation der Weltfriedenstage, im Einsatz gegen Sklaverei und Menschenhandel, in der Ausbildung und Begleitung der Militärkapläne. Aufgrund der teils ähnlichen Ziele und Aufgabenfelder könnte es im Rahmen der von Papst Franziskus geplanten Kurienreform zu einer Fusion mit Cor Unum kommen, erklärte uns Dott.ssa Giovanelli.
Im Rahmen der letzten Arbeitssitzung des Seminars konnten wir das Päpstliche Orientalische Institut nahe der Basilika Santa Maria Maggiore besuchen. Dieses 1917 gegründete Institut ist das einzige weltweit, das sich gänzlich und ausschließlich der Lehre des orientalischen Kirchenrechts widmet. Da wir in diesem Jahr aufgrund der Größe unserer Gruppe leider nicht die Deutsche Botschaft beim Heiligen Stuhl besuchen konnten, kam der deutsche Botschaftsrat Mons. Dr. Oliver Lahl zu uns, um über die Arbeit der Botschaft Auskunft zu geben und Fragen zu beantworten.
Den Donnerstag starteten wir in der Kongregation für die Institute des Geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens, umgangssprachlich kurz Ordenskongregation genannt. P. Dr. Clemens Gutberlet von den Legionären Christi, Untersekretär der Kongregation, gab zunächst einen historischen Überblick, danach stellte er die verschiedenen Zuständigkeitsabteilungen vor, die in den vielfältigen Formen Gottgeweihten Lebens begründet sind. Wir erfuhren, dass es weltweit ca. 1 Million Personen dieses Standes gebe, und davon etwa 2 Leute von 1000 um Lösung von den Ordensgelübden bitten würden.

Von besonderem Interesse und Anlass zu anschließend reger Diskussion war unser Aufenthalt in der Kongregation für die Glaubenslehre am historisch bedeutsamen Ort der Piazza S. Ufficio. Dr. Manfred Bauer und Dr. Johannes Fürnkranz standen Rede und Antwort zur Kongregation, die 1542 gegründet zu den ältesten Kurieneinrichtungen zählt. Derzeit beschäftigt sie ca. 50 Mitarbeiter, die sich in drei verschiedene Sektionen teilt. Hauptaufgabe ist es die Glaubenslehre vor Irrlehren zu schützen und neue Theorien der Moral und der Dogmatik zu überprüfen.
Den Vormittag beendeten wir in der nahe gelegenen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, die uns Generalrelator P. Vincenzo Criscuolo OFM vorstellte. Außer Informationen über die erste Heiligsprechung im Jahr 1662 durch Papst Alexander VII. und Stufen bis zur Heiligsprechung oder der Feststellung des Martyriums, erfuhren wir, dass diese Kongregation auch zuständig ist für die Verleihung des Titels Kirchenlehrer, sowie für alles, was mit Reliquien zu tun hat.
Der Nachmittag war ganz den besonders für die Studenten des Kirchenrechts interessanten Einrichtungen gewidmet, nämlich durch Termine bei den höchsten Gerichten der Kirche, der Römischen Rota und der Apostolischen Signatur, die schon durch ihr imposantes Gebäude beeindrucken. Im selben Palazzo ist auch der Gnadenhof der Apostolischen Pönitentiarie untergebracht, die wir aber in diesem Jahr nicht besuchen konnten. In gewohnt kompetenter Weise und anhand konkreter Fallbeispiele, mit denen die Apostolische Signatur beschäftigt ist, gewährte uns P. Prof. Dr. Nikolaus Schöch OFM, Kirchenanwalt, einen aufschlussreichen Einblick in die praktische Anwendung des Kirchenrechts.
Angesichts der Änderungen im Eheprozessrecht durch Papst Franziskus mittels des Motu Proprio „Mitis Iudex“, das seit 8. Dezember 2015 in Kraft ist, gewann der Besuch bei der Römischen Rota besondere Bedeutung, da sie unmittelbar davon betroffen ist. Ehebandverteidiger Mons. Dr. Robert Golebiowski wies auch auf mögliche Gefahren und Risiken hin, die die Reform in sich bergen könnte und deren Auswirkungen erst in der Zukunft noch deutlicher zutage treten würden.
Kirchenrechtlich ging es auch am nächsten Tag weiter mit dem relevanten Dikasterium des Rates für die Gesetzestexte, der uns sehr aufschlussreich von Untersekretär Mons. Dr. Markus Graulich SDB präsentiert wurde. Nach Ausführungen über die Funktionen der Gesetzgebung, -auslegung und -kontrolle, Hinweisen zum fertigen aber nicht in Kraft gesetzten Strafrechtsentwurf zum CIC/1983, antwortete Mons. Graulich bereitwillig auf viele Fragen. Auch hier kam das Thema auf „Mitis Iudex“, an dessen Ausarbeitung der Rat nicht beteiligt war.
In der Kongregation für das Katholische Bildungswesen empfing uns der Untersekretär P. Friedrich Bechina FSO.
Leider konnte uns auch im Rat für den Interreligiösen Dialog der Präsident Jean-Louis Kardinal Touran nicht persönlich begrüßen, doch er übermittelte uns Grüße durch Dr. Dr. Michael Weninger, Diplomat und zuständig für die Beziehungen zum Islam. In amüsanter und energischer Art und Weise informierte Weninger über seine Erlebnisse und Bemühungen um den Dialog zum Islam, die teils gut seien, es aber auch Rückschläge gebe, vor allem aufgrund mangelnden Glaubenswissens, betont jedoch auch die Hilfe durch die modernen Kommunikationsmittel. Der Rat gibt zudem eine Zeitschrift namens „Pro Dialogo“ heraus.
Bei einem unvergesslichen Mittagessen in einer typisch italienischen Trattoria nahe des Vatikanstaates trafen wir, wie es inzwischen ebenso gute Tradition des Seminars geworden ist, Benedikt Steinschulte, einen langjährigen Mitarbeiter des Rates für die Sozialen Kommunikationsmittel, der uns sehr unterhaltsam Interna erzählte.

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Nach diesem Gespräch rückte der Höhepunkt und Abschluss des Seminars näher, der Besuch des Staatssekretariats am Freitagnachmittag. Bereits der Weg dorthin, der vorbei an der Schweizer Garde durch den Apostolischen Palast führt, ist einmalig und wurde von nicht wenigen Studenten mit wortlosem Staunen gegangen. Begleitet wurden wir von Mons. Dr. Winfried König, Leiter der deutschsprachigen Abteilung der ersten Sektion, der einen prägnanten und sehr guten Überblick über die Arbeit der Sektionen des Staatssekretariats gab und zahlreiche Fragen beantwortete.
Eine Überraschung wurde uns noch zuteil auf dem Rückweg vom Staatssekretariat, als uns Erzbischof Dr. Georg Gänswein begegnete, dem die Münchner Universität aus eigenen Studientagen sehr gut vertraut ist. Ein Gruppenfoto beendete die Begegnung und auch das Seminar.

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Es war eine interessante Woche mit so vielen Eindrücken, die eine Zeit brauchen, um überhaupt ganz reflektiert und durchdrungen zu werden. Und es ist ein wirkliches Privileg die Einrichtungen der Kurie besuchen zu dürfen und so eine Vorstellung davon zu bekommen, angefangen von den Gebäuden und Büroräumen, über die doch meist übersichtliche Zahl an internationalen Mitarbeitern, die das Spektrum der Kirche abbilden bis hin zu manchen Interna, die gewöhnlich nicht zu erfahren sind.
Wir bedanken uns herzlichst bei Prof. Güthoff für die Möglichkeit das Seminar zu besuchen, das uns unvergessliche und einmalige Tage in Rom geschenkt hat!

Bericht: Andrea Michl