Katholisch-Theologische Fakultät
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Romfahrt 2017

Blockseminar:
„Struktur- und Arbeitsweise der Römischen Kurie“
vom 5. - 11. 3. 2017 in Rom

Im März dieses Jahres war es wieder soweit: das inzwischen nicht nur zur guten, sondern zur sehr schönen Tradition gewordene Seminar über die Struktur und Arbeitsweise der Römischen Kurie, das Prof. Dr. Dr. Elmar Güthoff seit mehreren Jahren veranstaltet, fand vom 5. bis 11. März 2017 in Rom statt. Unserer Münchner Gruppe schlossen sich in diesem Jahr Studierende der Universitäten von Augsburg und Eichstätt an. Dass die Ewige Stadt nicht nur ein beliebtes Urlaubs- und Wallfahrtsziel, sondern darüber hinaus DAS Zentrum der kirchlichen  Leitungs-    behörden und Gerichte ist, wurde mittels unserer Besuche der verschiedenen Dikasterien der Römischen Kurie umso deutlicher.

Traditionsgemäß statteten wir als erstes der Kongregation für die Orientalischen Kirchen einen Besuch ab, in der uns der Sekretär, Erzbischof Dr. Cyril Vasil, mit Freude empfing und gerne über die Geschichte und Arbeit, die sich auf alle orientalisch-katholischen Kirchen erstreckt, informierte und Fragen der Studierenden ausführlich beantwortete.Gleich im Anschluss erwarteten uns Mons. Dr. Gehr und Mons. Dr. Gruber, die uns die Aufgaben und Arbeitsbereiche der Kongregation für den Klerus vorstellten. Die Kongregation, welche die zweitälteste nach der Kongregation für die Glaubenslehre ist, gliedert sich in folgende vier Abteilungen: für den Klerus, für die Seminare, für die Verwaltung, für die Dispensen vom Priesteramt. Dabei sei die Seminarabteilung von der Bildungskongregation auf sie übergegangen. Die Arbeit ist vielseitig und geht von der Herausgabe von Schriften über die Zuständigkeit für Heiligtümer bis hin zur Gewährung von Dispensen und zur Entlassung aus dem geistlichen Stand.

In der Kongregation für die Institute des Geweihten Lebens und für die Gesellschaften des Apostolischen Lebens empfing uns der Untersekretär, P. Dr. Clemens Gutberlet LC, und sprach über Geschichte und die fünf Hauptabteilungen, nach der sich die Kongregation gliedert und die sich nach den verschiedenen Formen des Gottgeweihten Lebens richtet. In der Mittagspause gab es in einer Trattoria nahe des Petersplatzes Gelegenheit zu einer interessanten und vor allem unterhaltsamen Begegnung mit Herrn Benedikt Steinschulte, langjähriger Mitarbeiter im ehemaligen Rat für die sozialen Kommunikationsmittel, der in unverkennbar amüsanter Art und Weise über so manche Interna des Apostolischen Stuhles sprach. Diese Möglichkeit nutzten die meisten der Seminarteilnehmer. Der Nachmittag war einer Arbeitssitzung in der Päpstlichen Universität Urbaniana gewidmet, zu der wir auf einem interessanten Weg gelangten und in welcher Studierende mittels Kurzreferate einen Überblick gaben zu Dikasterien, die in den kommenden Tagen auf dem Programm standen oder die zwar nicht besucht werden konnten, aber dennoch zur Kurie gehören.

Am zweiten Tag lernten wir das von Papst Franziskus am 15. August 2016 neu gegründete Dikasterium kennen, das, wie sein Name anzeigt, zuständig ist „für die Laien, die Familie und das Leben“. Da das Dikasterium, das die bisherigen Päpstlichen Räte für die Laien und für die Familie in sich vereinigt, seine Arbeit erst vor wenigen Wochen aufgenommen hatte, sind die Zuständigkeitsbereiche noch nicht klarer getrennt, doch Mons. Giovanni Pietro Dal Toso sprach über die allgemeinen Aufgaben, die z. B. in finanziellen Hilfen, in der Begleitung der großen Hilfswerke, in der Veranstaltung von Kongressen und der theologischen Fundierung der Arbeit der kirchlichen Caritas, die sich in vielfältigen Organisationen und Tätigkeitsfeldern einsetzt.

Im Rat für die Kultur erwartete uns erneut Mons. Dr. Gergely Kovács, der uns einen Einblick gab in den mit insgesamt 20 Angestellten verhältnismäßig kleinen Rat. Aufgrund der personellen Anzahl sei ein Mitarbeiter zuständig für mehrere Bereiche, zu denen die Bereiche Kunst und Kultur, Sport, Kulturgüter, Musik sowie der Dialog mit Nicht-Glaubenden gehört. Im Rahmen von letztgenanntem findet auch seit 2011 regelmäßig der sogenannte „Vorhof der Völker“ statt, der von Benedikt XVI. initiiert wurde.

Im Anschluss stand einer der Höhepunkte des Seminars auf dem Programm und zwar der Besuch des Governatorates des Staates der Vatikanstadt, das sich im Herzen des kleinstes Staates der Welt, gleich hinter dem Petersdom befindet. In der Kapelle des Governatorates empfing uns der Generalsekretär Mons. Fernando Vérgez Alzaga LC, der uns nach einem historischen Überblick exemplarisch verschiedene Einzelaspekte nannte. So erfuhren wir nicht nur von einem eigenem Telefonnetz und Autonummer, sondern auch, dass knapp 2000 Menschen hier arbeiten und wie man einer von ihnen werden könnte. Auch für den heutigen Nachmittag stand eine Arbeitssitzung auf dem Programm, diesmal in der Universität Gregoriana, die den Mitgliedern der Gesellschaft Jesu anvertraut ist. Prof. Ulrich Rohde, Professor für Kirchenrecht, begrüßte uns und stellte uns mittels einer kurzen Präsentation die Universität vor. Im Anschluss folgten weitere Referate der Studierenden und abschließend eine Vorlesung von Dr. Manfred Bauer, einem Mitarbeiter der Kongregation für die Glaubenslehre und Alumnus unseres Instituts, über die „Behandlung der delicta graviora an der Kongregation für die Glaubenslehre“. Dort trafen wir auch den Sekretär der selbigen Kongregation, Erzbischof Luis Ladaria Ferrer SJ.

Da während unserer Seminarwoche die Exerzitien des Papstes mit den Leitern der kurialen Dikasterien stattfanden, entfiel die wöchentliche Generalaudienz, sodass wir auch am Mittwochvormittag Gelegenheit zu weiteren Besuchen hatten. Durch ihre Abwesenheit bedingt, ließen uns jedoch viele Präfekten oder Präsidenten der Dikasterien ihre Grüße durch ihre Mitarbeiter übermitteln. Nach einer Begegnung mit zwei Mitarbeitern der Kongregation für das Katholische Bildungswesen, die uns aufgrund der Größe unserer Gruppe im Collegio Campo Santo Teutonico erwarteten, gingen wir zum Rat für die Neuevangelisierung, in dem uns Br. Helmut Rakowski OFMCap über die Tätigkeiten des Rates informierte. Eine besondere Aufgabe war dabei die Organisation und Durchführung des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit. Künftig wird auch die Veranstaltung eines Welttages für die Armen zu den Aufgaben gehören. Im Arbeitsamt begrüßte uns der Direktor Salvatore Vecchio der einen Einblick gab in die Aufgaben und Struktur des Dikasteriums, das zuständig ist für alle arbeitstechnischen Belange der Angestellten. Wir erfuhren auch, dass die wöchentliche Arbeitszeit nicht 40, sondern 36 Stunden beträgt und Überstunden nicht erwünscht seien. Am Nachmittag durften wir die Päpstliche Universität Angelicum besuchen, die dem Orden der Dominikaner anvertraut ist. Dort erhielten wir durch etliche weitere Referate summarische Informationen zu kurialen Einrichtungen.

Der Donnerstag begann mit der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, bei der uns Dr. Michael Kahle sehr interessante Einblicke in das Aufgabenfeld der Kongregation gewährte und anschließend für die Beantwortung vieler Fragen gerne bereitstand. Zu den Arbeitsbereichen zählen die Übersetzungen des Rituale und der Messbücher, die liturgischen Kalender, die der Einheitlichkeit bedürfen, die Umbenennung von Kirchen und vieles mehr. Dr. Kahle stellte klar, dass das Dikasterium, welches viele Beschwerdebriefe aus der ganzen Welt über Missbräuche, die in der Liturgie praktiziert werden, bekäme, keine „Liturgiepolizei“ sein könne, da zuerst die jeweiligen Bischöfe in die Pflicht genommen werden müssen. Er bedauerte die fehlende Demut und den mangelnden Gehorsam vieler Priester, sowie die eigenmächtigen Modifizierungen der Liturgie.
In der Kongregation für die Glaubenslehre begegneten wir erneut dem Sekretär Erzbischof Luis Ladaria Ferrer SJ, sowie Dr. Manfred Bauer, den wir von der Vorlesung an der Universität Gregoriana kannten, und seinem Kollegen Dr. Johannes Fürnkranz. Nach historischen Informationen über die Kongregation, die zu den ältesten der Kurie gehört, erfuhren wir einiges über die Auflösung nicht-sakramentaler Ehen, die Aufgabe die Glaubenslehre zu verteidigen und vor Irrlehren zu schützen und neue Theorien, aber auch sogenannte Privatoffenbarungen zu prüfen. Anschließend gab es viele Fragen zu den aktuellen Themen, wie beispielsweise das Nachsynodale Apostolische Schreiben „Amoris Laetitia“, das Anlass zu reger Diskussion in der Weltkirche ist oder die Beziehungen zur Piusbruderschaft.

Außer dem den neu gegründeten „Dikasterium für die Laien, die Familie und das Leben“ waren wir Gast in dem ebenfalls von Papst Franziskus eingerichteten Kommunikationssekretariat, in dem wir zwar weniger über die genauen Aufgaben, aber dafür manche Anekdote über Begegnungen mit Zuckerberg und die Bedeutung der sozialen Netzwerke wie Twitter und Facebook erfuhren. Der Nachmittag war natürlich für uns Kirchenrechtsstudenten besonders interessant und wichtig, da wir die Gerichte der Römischen Rota und der Apostolischen Signatur kennenlernen durften. Traditionsgemäß führte uns Mons. Dr. Robert Golebiowski, Ehebandverteidiger an der Rota, zuerst durch das imposante und beeindruckende Gebäude und anschließend durch aktuelle Entwicklungen, besonders nach den gut einjährigen Erfahrungen mit dem Motu proprio „Mitis Iudex“, das grundlegende Änderungen in den Ehenichtigkeitsverfahren brachte. Höchste Kompetenz erlebten wir bei unserem letzten Termin des Tages bei P. Prof. Dr. Nikolaus Schöch OFM, Kirchenanwalt an der Apostolischen Signatur, welcher uns zunächst Grüße von Dominique Kardinal Mamberti, Präfekt des Gerichts, ausrichtete und uns mittels ausgewählter Fallbeispiele die Praxis des Verwaltungsrechts veranschaulichte.

Spannend ging es für uns gleich am nächsten Tag weiter im Rat für die Gesetzestexte, in dem uns Untersekretär Mons. Dr. Markus Graulich SDB konkrete Aufgaben, aber auch Schwierigkeiten, mit denen der Rat konfrontiert worden sei und werde, nannte. Aktuell befinde sich eine neue Eheprozessordnung, die die Änderungen des MP „Mitis Iudex“ berücksichtigen solle, und ein neues Eherecht in Arbeit. Der Strafrechtsentwurf, der über viele Jahre hinweg erarbeitet wurde, liege derzeit ad acta. Nicht verschwiegen wurden auch Gefahren und Unstimmigkeiten sowohl in der Entstehung als auch im Inhalt des MP „Mitis Iudex“ und des nachsynodalen Schreibens „Amoris Laetitia“, was Anlass zu einigen Nachfragen seitens der Seminarteilnehmer war.

Nach nur wenigen Treppenstufen gelangten wir zur Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, über deren Arbeit uns Generalrelator P. Vincenzo Criscuolo OFM informierte und der sehr auskunftsfreudig zahlreiche Fragen beantwortete. Erstaunt waren wir über die hohe Zahl der derzeit etwa 2.500 Selig- und Heiligsprechungsverfahren, die an der Kongregation bearbeitet werden. Im Rat für den Interreligiösen Dialog konnten wir nur kurz bleiben, aufgrund terminlicher Schwierigkeiten von Dr. Dr. Michael Weninger, Diplomat und zuständig für die Beziehungen zum Islam. Dennoch freute er sich über unseren Besuch und gab in amüsanter Weise gerne Auskunft über seine Arbeit und seine Erfahrungen im Dialog mit Buddhisten, Hinduisten, Moslems und zum IS, die mal besser und mal schlechter verliefen. Es gebe sehr schöne Erlebnisse, aber auch Rückschläge, bis hin zum Dialogabbruch.

Unser letzter Termin und vermutlich auch einer der Unvergesslichsten, führte uns nicht nur ein Stück durch den Staat des Vatikanstaates, sondern auch noch vorbei an der Schweizer Garde, hinauf in den Apostolischen Palast, wo uns in der Bibliothek Mons. Dr. Winfried König, Leiter der deutschsprachigen Abteilung der ersten Sektion des Staatssekretariats, empfing und uns sehr gut über die Aufgaben und Arbeitsabläufe der beiden Sektionen informierte, die den Papst in den alltäglichen Angelegenheiten einerseits, und in der Beziehung mit den Staaten andererseits unterstützen.

Nach einem Gruppenfoto und dem Verlassen des Staates der Vatikanstadt endete unser Seminar und es bleibt uns nur Prof. Dr. Dr. Elmar Güthoff von Herzen zu danken für die Organisation und Veranstaltung des Seminars, das uns sowohl viele und einmalige Einblicke in die kuriale Arbeitswelt geschenkt hat, als auch Begegnungen mit Menschen, die uns sonst nicht möglich wären!

Bericht: Andrea Michl