Katholisch-Theologische Fakultät
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Theologie studieren - Warum?

Christlicher Glaube ist Bekenntnis; Bekenntnis, dass Mensch und Welt sich dem schöpferischen Ursprung Gott verdanken; dass Gott in dem Menschen Jesus von Nazareth unter uns geweilt hat; dass Gott immer wieder zu Menschen gesprochen hat; dass das, was Jesus im Umgang mit Menschen, die unter ihrer eigenen oder der Unvollkommenheit anderer gelitten haben, begonnen hat, in der Kirche seine Fortsetzung finden soll; dass der Mensch in der Lage ist, sein Leben frei und verantwortlich zu gestalten ...

Sollte das zum christlichen Glauben etwa nicht genügen? Nein, es reicht nicht aus, und zwar vor allem aus drei Gründen:

  • Zum christlichen Glauben gehört nämlich auch, gegenüber Nicht- und Andersglaubenden vernünftig und argumentierend Rechenschaft über den eigenen Glauben geben zu können (entsprechend 1 Petr 3,15).
  • Die Bedeutung der Begriffe und Ereignisse, von denen in Bekenntnissen die Rede ist, erklärt sich nicht von selbst. Der Glaube muss in der jeweiligen Gegenwart erschlossen und in seinen zentralen Kategorien und grundlegenden Urkunden ausgelegt werden.
  • Damit nicht alles Mögliche, also auch bloß Ausgedachtes und Interessenbedingtes Inhalt des Bekenntnisses wird oder dessen Ausdrucksformen und Inhalte Werkzeuge von Macht und Unterdrückung werden, braucht es Kriterien, um unterscheiden zu können. Gerade weil es beim Glauben um Entscheidendes, um Wahrheit und um Verbindlichkeit geht, gibt es eine gefährliche Nähe zwischen Glaube und Einbildung, zwischen Vertrauen und Naivität, zwischen sich bescheidender Selbstzurücknahme und Funktionalisiertwerden.

Diese drei Anliegen sind die großen Aufgaben der Theologie: den Glauben verantworten, das Offenbarte interpretieren und immer wieder von neuem erschließen und das Echte vom bloßen Schein zu unterscheiden und zu korrigieren. Theologie ist – so könnte man es kurz sagen – Reflexion des Glaubens, und zwar des Glaubens in seiner theoretischen wie in seinen praktischen Gestalten.

Eigenständiges Denken und existenzielles Wissen

Wer Theologie studiert, um später selbst damit einen Beruf ausüben zu können, muss eine solide Wissensbasis haben. Er muss etwa mit den Texten der Bibel sachgerecht umgehen können, die eben nicht in den uns geläufigen Sprachen geschrie-ben und immerhin zwei bis zweieinhalb Jahrtausende alt sind. Und er muss auch über Kenntnisse der Philosophie verfügen, um die Begriffe, Vorstellungen, Denkwege der Theologiegeschichte und die großen Streitpunkte zwischen den Konfessionen überhaupt verstehen zu können. Und wie soll jemand in den umstrittenen Fragen der modernen Bioethik Stellung beziehen können, wenn er sich mit den Argumenten der Fachleute gar nicht befasst hat? Diese Voraussetzungen werden nicht automatisch von der Schule mitgebracht.

Wer Theologie zu seinem Beruf machen möchte, muss aber auch etwas über die Menschen wissen, über ihre Lebensbedingungen, ihr Denken und Fühlen, ihre Sorgen, Ängste und Erwartungen. Theologisches Wissen unterscheidet sich nämlich von naturwissenschaftlichem, juristischem und ökonomischem Wissen vor allem dadurch, dass es weniger um das Begreifen funktionaler Zusammenhänge und um das Be-herrschen von Abläufen und Herstellungsvorgängen geht, sondern um Deutung und Orientierung für die Menschen in ihrem Bemühen um die Gestaltung ihres Lebens und Zusammenlebens. Deshalb genügt es auch nicht, möglichst viel Tradition zu kennen, sondern Theologiestudierende müssen ebenso die ausgesprochenen und die versteckten religiösen Fragen der Menschen, die heute leben, kennen, müssen herausfinden und entdecken lernen, was in Literatur, Kunst und Kultur der Gegenwart an religiösen Gehalten steckt und auch, welche Schwierigkeiten die Verwendung religiöser Sprache und traditioneller Formen in der säkularen Gesellschaft mit sich bringt. Es macht die Schwierigkeiten, aber auch den Reiz dieser theologischen Arbeit aus, ständig nach Verbindungen und Übersetzungsmöglichkeiten zwischen Gegenwart und Tradition, zwischen dem Vertrauten und dem Fremden, zwischen dem, was zu einem fixierten kulturellen Zeugnis geworden ist, und dem, was Menschen heute denken können, zu suchen und zu errichten. Das Studium ist gleichsam ein kompaktes und angeleitetes Training hierfür.

Dieser Text ist eine gekürzte und leicht veränderte Fassung des Einführung in den Grundkurs „Theologie studieren“, der von Kollegen der Katholisch-Theologischen Fakultät der LMU gemeinsam erstellt wurde; vgl.: K. Hilpert: Theologie studieren – warum, wie und wozu? In: ders./S. Leimgruber: Theologie im Durchblick. Ein Grundkurs, Freiburg: Herder 2008, 10-17.


Informationen zum Studieneinstieg finden Sie hier.