Katholisch-Theologische Fakultät
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Geschichte der Fakultät

Entsprechend der spätmittelalterlichen Universitätstradition bildete die Theologie neben der Rechtswissenschaft und der Medizin schon seit der Gründung der bayerischen Landesuniversität in der Residenzstadt Ingolstadt 1472 (heute: Ludwig-Maximilians-Universität München) eine der drei „höheren“ Fakultäten. An diesen konnte man nämlich erst studieren, wenn man mit Erfolg das „Grundstudium“ der artes liberales in der vierten Fakultät, der sog. Artistenfakultät (aus der später die Philosophische Fakultät hervorging), durchlaufen hatte.

Die heutige Katholisch-Theologische Fakultät geht also bis auf das Gründungsjahr der Universität zurück und hat alle Standortverlegungen der Universität (1800 nach Landshut und 1826 nach München) und geschichtlichen Wirrnisse überstanden; lediglich in den Jahren 1939 bis 1945 war sie geschlossen.

Die Bedeutung der Theologischen Fakultät reichte im Laufe ihrer Geschichte immer wieder weit über die Landes- und Kirchenpolitik der bayerischen Herzöge hinaus. Im 16. Jahrhundert war sie neben der Universität Köln ein wichtiges Zentrum der Verteidigung des alten Glaubens und stellte mit Johannes Eck einen der profiliertesten theologischen Kontrahenten von Martin Luther. Seit 1549 wirkten an der Fakultät auch Theologen des jungen Jesuitenordens, unter ihnen Petrus Canisius, die sich für die Durchführung der Erneuerungsbeschlüsse des Konzils von Trient einsetzten. Über zweihundert Jahre lang prägten Sie die Ausbildung der Theologen. Die Professoren, die der Orden stellte, kamen nicht nur aus Bayern sowie anderen Territorien des Reichs, sondern auch aus Spanien, den Niederlanden, England, Belgien und Italien. Die Aufhebung des Jesuitenordens durch den Papst im Jahr 1773 brachte das Ende des prägenden Einflusses der Gesellschaft Jesu in der Theologischen Fakultät und zog harte Auseinandersetzungen um die Neuordnung der gesamten Universität im Geist der Aufklärung nach sich und führte schließlich – 1799 – auch zum Ende der konfessionell-katholischen Ausrichtung. Seitdem konnten auch Nichtkatholiken Professoren werden.

Die Katholisch-Theologische Fakultät gewann an Renommee und Ausstrahlung. Die Berufung des Dogmatikers Patriz Benedikt Zimmer und des Pastoral- und Moraltheologen Johannes Michael Sailer bedeutete eine neue Art, Theologie zu treiben, nämlich mehr am Menschen orientiert, philosophisch-gestützt und ökumenisch offener. Sailer, seit 1821 Bischof von Regensburg, nahm als Ratgeber König Ludwigs I. Einfluss auf den (Neu-) Aufbau der nach München verlegten Universität und auch der Theologischen Fakultät. Diese weist für das 19. Jahrhundert eine Reihe bedeutender Forscherpersönlichkeiten auf, unter ihnen die Exegeten Joseph Franz Allioli und Daniel Bonifaz Haneberg OSB, die Pastoraltheologen Georg Friedrich Wiedemann und Valentin Thalhofer, die Dogmatiker Johann Adam Möhler und Alois von Schmidt, die Kirchenrechtler Franz Michael Permaneder und Isidor Silbernagel, die Moraltheologen Johann Nepomuk Hortig und Wilhelm Karl Reischl. Das bedeutendste und einflussreichste Mitglied der Fakultät aber war der international angesehene Johann J. Ignaz Döllinger. Schwere Erschütterungen der Fakultät lösten der Streit um die Anerkennung der Beschlüsse des 1. Vatikanum und die kirchlichen Restriktionen gegen die sog. Reformkatholiken zu Anfang des 20. Jahrhunderts („Antimodernismus“) aus.

Auch im 20. Jahrhundert wirkten an der Fakultät eine Reihe bedeutender Gelehrter, etwa der Patrologe Otto Bardenhewer, die Exegeten Johann Goettsberger und Joseph Sickenberger, die Kirchengeschichtler Alois Knoepfler und Georg Pfeilschifter, die Kanonisten Eduard Eichmann und Klaus Mörsdorf, die Dogmatiker Martin Grabmann und Michael Schmaus, die Moraltheologen Theodor Steinbüchel und Richard Egenter, der Pastoraltheologe Joseph Pascher, die Fundamentaltheologen Gottlieb Söhngen und Heinrich Fries.

Nach der Wiedereröffnung der Fakultät 1946 wurden ein Kanonistisches Institut und das Grabmann-Institut zur Erforschung der mittelalterlichen Theologie und Philosophie gegründet. Nachdem 1967 an der LMU auch eine Evangelisch-Theologische Fakultät errichtet worden war und seit 1984 auch die Orthodoxe Theologie ständig vertreten ist (heute als Ausbildungseinrichtung), bot sich die in Deutschland einmalige Chance einer Zusammenarbeit, die durch die Einrichtung des Zentrums für Ökumenische Forschung (ZÖF) im Jahr 2001 einen institutionellen Rahmen erhalten hat.

Die Katholisch-Theologische Fakultät war jahrundertelang eine überdiözesane Ausbildungsstätte. Das ist sie auch heute noch. Jedoch ist sie seit der Aufhebung der Philosophisch-Theologischen Hochschule Freising und der Verlegung des Priesterseminars nach München im Jahr 1969 auch die wissenschaftliche Ausbildungsstätte für den zukünftigen Klerus des Erzbistum München und Freising.

Viele bekannte Persönlichkeiten haben einmal an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München ihr Studium abgelegt oder an ihr promoviert. Zu den berühmtesten zählen Adolf Kolping, Wilhelm Emanuel von Ketteler, Sebastian Kneipp und Joseph Ratzinger, Papst Benedikt XVI. (2005-2013).