Katholisch-Theologische Fakultät
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Humboldt-Fellow aus Jerusalem an der Katholisch-Theologischen Fakultät

Professor Dr. P. Anthony Giambrone OP ist als Fellow der Alexander von Humboldt-Stiftung Gast am Lehrstuhl für Neutestamentliche Exegese und biblische Hermeneutik

01.11.2020

Für ein Forschungsjahr wirkt Professor Dr. P. Anthony Giambrone OP als Fellow der Alexander von Humboldt-Stiftung Gast am Lehrstuhl für Neutestamentliche Exegese und biblische Hermeneutik der Katholisch-Theologischen Fakultät. Der US-Amerikaner ist Vizerektor der renommierten École biblique et archéologique française de Jérusalem, wo er Neues Testament lehrt.

Professor Giambrone hat theologische und bibelwissenschaftliche Grade unter anderem an der Catholic University of America in Washington, der Päpstlichen Bibelkommission in Rom und der University of Notre Dame, Indiana, erworben. Forschungsschwerpunkte in seiner reichen Bibliographie sind das lukanische Doppelwerk und die Hermeneutik der biblischen Literatur. Auf diese Themenfelder konzentriert sich auch die Arbeit des Münchener Lehrstuhls. Das von der Humboldt-Stiftung geförderte Projekt erschließt die lukanische Ekklesiologie. Im kommenden Sommersemester wird sich Professor Giambrone auch in der exegetischen Lehre engagieren.

Am neutestamentlichen Lehrstuhl waren in den letzten Jahren acht auswärtige Gastwissenschaftler aus sechs Ländern (Brasilien, Großbritannien, Israel, Kongo, Spanien, USA) tätig. Professor Giambrone kommt von einer außergewöhnlichen Wirkungsstätte: Die in der Ost-Jerusalemer Altstadt, also in arabischem Umfeld, gelegene École biblique arbeitet am Schnittfeld von drei Kulturen – jüdisch, christlich und islamisch – und sehr viel mehr geistigen (und politisch schwierigen) Welten. Den „material turn“ hat sie schon 1890 vollzogen, als sie von dem Dominikaner Marie-Joseph Lagrange nach dem Vorbild der französischen Grandes écoles gegründet wurde, um an den biblischen Orten selbst archäologisch, realienkundlich, topographisch, historisch und philologisch zu forschen und – auf Postgraduierten-Niveau – zu lehren. Zu den bekanntesten Projekten, an denen sich die École biblique maßgeblich beteiligt hat, gehören die Ausgrabungen in Qumran und die Edition der dort gefundenen Schriftrollen. Die Bible de Jérusalem gilt international als eine der philologisch und theologisch angesehensten Übersetzungen. Professor Giambrones Forschungsjahr an der LMU soll auch dazu genutzt werden, das Potential einer verstärkten Zusammenarbeit zwischen der Münchener und der Jerusalemer Bibelwissenschaft auszuloten. Aus Münchener Sicht ist eine Brücke nach Israel/Palästina eine große Chance für eine im Wortsinn geerdete Forschung und Fachqualifizierung. Ihrerseits kann die im deutschsprachigen Raum gewachsene historische und exegetische Fachkultur den internationalen Diskurs in Jerusalem weiten.