Katholisch-Theologische Fakultät
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Prof. em. Dr. Dr. h.c. Georg Schwaiger verstorben

12.11.2019

Die Katholisch-Theologische Fakultät trauert um ihr Mitglied Prof. em. Dr. Dr. h.c. Georg Schwaiger, geb. 23. Januar 1925 in Hienheim, gest. 9. November 2019 in München

Professor Dr. Dr. h.c. Georg Schwaiger, emeritierter Ordinarius für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München, wurde am 23. Januar 1925 in Hienheim geboren. Mit vier Geschwistern verbrachte er seine Kindheit auf dem elterlichen Hof und besuchte ab 1936 das Alte Gymnasium in Regensburg. 1942 wurde er zur Luftwaffe eingezogen mit Stationen in Frankreich und Norwegen. Bis Dezember 1945 verblieb er in Kriegsgefangenschaft. 1951 wurde er zum Priester des Bistums Regensburg geweiht und wirkte 1951/52 als Kaplan in Wörth an der Donau.
Während 75 Semestern lehrte Georg Schwaiger, Schüler des Kirchen- und Papsthistorikers Franz Xaver Seppelt (1883-1956), an der Universität München, seit 1962 als Ordinarius für Bayerische Kirchengeschichte, von 1971 bis zu seiner Emeritierung 1993 für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit. Als Dekan der Fakultät fungierte er in den Jahren 1968/69, 1979/81 und 1987/89. Einen Ruf an die Universität Tübingen 1969 lehnte er ab. Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit waren die Geschichte des Papsttums, Kirche und Kultur in Bayern sowie die Kirchengeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, auch die nordische Reformationsgeschichte. Aus diesen Bereichen erwuchsen mehr als 40 von ihm verfasste oder herausgegebene Bücher, mehr als 200 Aufsätze, die Herausgabe mehrerer Zeitschriften und Reihen sowie mehr als tausend Artikel in wissenschaftlichen Lexika. Genannt seien nur die sieben Bände zur Geschichte des Bistums Freising und des Erzbistums München und Freising (darunter Monachium Sacrum mit der ersten umfassenden Kirchengeschichte der Stadt München, 1994), eine ausgezeichnete Biographie über den "bayerischen Kirchenvater" Johann Michael Sailer (1982), die Geschichte des Herzoglichen Georgianums (1994) sowie die mehrfach aufgelegten Werke über Teufelsglaube und Hexenprozesse (4. Auflage 1999), über Mönchtum, Orden und Klöster (4. Auflage 2003, Übersetzungen ins Italienische und Spanische), von den papstgeschichtlichen Werken erschien zuletzt "Papsttum und Päpste im 20. Jahrhundert. Von Leo XIII. zu Johannes Paul II." (1999), die derzeit umfassendste Darstellung zu diesem Gegenstand.
Von 1967 bis 1996 war Georg Schwaiger Erster Vorsitzender des "Vereins für Regensburger Bistumsgeschichte e.V." In dieser Zeit erschienen 30 Bände der "Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg", dazu mehrere Beibände. Noch 2014, bereits 89-jährig, gab er einen stattlichen Band zu Kloster Weltenburg in Geschichte und Gegenwart heraus, der ihm – noch dazu als Oblate des Klosters – ein besonderes Herzensanliegen war.
Die wissenschaftliche Arbeit weist Georg Schwaiger als einen vielgefragten und einflussreichen Kirchenhistoriker seiner Zeit und vor allem als Papsthistoriker auch international hochangesehenen Gelehrten aus. 1968 wurde er außerordentliches Mitglied der Bayerischen Benediktinerakademie, 1981 ordentliches Mitglied der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, 1982 Päpstlicher Ehrenprälat, 1996 Bischöflich Geistlicher Rat. Weitere Ehrungen bildeten die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes I. Klasse 1988, des Bayerischen Verdienstordens 1993, des Kulturpreises der Bayerischen Landesstiftung 1997 und die Verleihung der theologischen Ehrendoktorwürde durch die Universität Regensburg 2002.
Bis vor eineinhalb Jahren erfreute er sich bester Gesundheit. Die letzten Monate verbrachte er, bis zuletzt geistig wach, in einem Münchner Seniorenheim.

Die Fakultät lädt am 15.01.2020 um 19 Uhr zu einem Requiem für den Verstorbenen in der Universitätskirche St. Ludwig ein.

R.i.p.
Prof. Dr. Andreas Wollbold, Dekan