Katholisch-Theologische Fakultät
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Opus Magnum Jahr für Prof. Dr. Knut Backhaus

Wie Christen auf Geschichte schauen

01.10.2018

Die VolkswagenStiftung hat Professor Dr. Knut Backhaus für das Studienjahr 2018/19 eine Opus Magnum-Förderung für sein Projekt Das lukanische Doppelwerk. Zur literarischen Basis frühchristlicher Geschichtsdeutung gewährt. Die Opus Magnum-Initiative richtet sich speziell auf die Erfordernisse der Kulturwissenschaften: Damit hier ein Vorhaben gelingt, ist Zeit die wichtigste Ressource. Die Förderung ermöglicht es dem Wissenschaftler, sich ganz einem Projekt zu widmen, das die Forschungslandschaft verändern kann.

Der Inhaber des Lehrstuhls für Neutestamentliche Exegese und biblische Hermeneutik untersucht Ursprung und Wirkung der ersten Geschichtskonstruktion des Christentums. Sie basiert auf dem in der gegenwärtigen Exegese vielfach umstrittenen Cluster aus Lukasevangelium und Apostelgeschichte. In diesem „Gedächtnisgemälde“ fand die werdende Kirche den Richtungssinn, den sie brauchte, um ihre Herkunft und Aufgabe in der Geschichte zu sehen.
Die lukanische Meistererzählung vom Urchristentum wirkt bis heute nach: Wenn von den „ersten Christen“ die Rede ist, die Kirche ihre jüdischen Wurzeln entdeckt, Papst und Bischöfe als Nachfolger der Apostel auftreten, Weihnachten, Himmelfahrt und Pfingsten gefeiert wird, dient stets das „lukanische Doppelwerk“ als maßgeblicher Bezugspunkt sozialer Erinnerung.
Backhaus verfolgt die Entstehung, die Sinnkarriere und die spannungsvollen Funktionen des so begründeten Geschichtsbilds. Er prüft das Standardmodell „lukanisches Doppelwerk“ als ständige Prämisse exegetischer Arbeit und religiöser Legitimierung, wirft neues Licht auf die „multikulturellen“ Anfänge urchristlicher Literatur und erkundet das Potential des Neuen Testaments für eine kulturübergreifende Sicht auf Geschichte.


Professor Sommer übernimmt die Vertretung

Die Opus Magnum-Idee hat eine zweite Seite: die Förderung von vielversprechenden Nachwuchswissenschaftlern und -wissenschaftlerinnen. Sie können durch das Vertretungsjahr Erfahrungen an einer renommierten Universität und in einem attraktiven Lehr- und Forschungsumfeld erwerben und ihre späteren Bewerbungschancen stärken. Für die Vertretung von Professor Backhaus konnte Junior-Professor Dr. Michael Sommer gewonnen werden. Nach dem Studium der katholischen Theologie in Regensburg wurde Sommer dort 2013 promoviert. 2014 folgte er dem Ruf auf eine Junior-Professur für Bibelwissenschaften an die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, wo 2017 sein Forschungsschwerpunkt über Apokalyptik und Apokalypsen des Frühjudentums und frühen Christentums erfolgreich zwischenevaluiert wurde. Neben seiner Lehrtätigkeit stellt er eine Monographie über die frühchristliche Rezeption kultkritischer Texte aus den Schriften Israels fertig. Die neutestamentliche Community an der LMU freut sich über die Bereicherung durch den neuen Kollegen.