Katholisch-Theologische Fakultät
print

Links und Funktionen

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Trauer um Prof. em. Dr. Dr. Josef B. Wehrle

Die Katholisch-Theologische Fakultät trauert um Prof. em. Dr. Dr. Josef B. Wehrle

09.05.2021

Die Katholisch-Theologische Fakultät der LMU München trauert um ihr ehemaliges Mitglied

Prof. em. Dr. Dr. Josef B. Wehrle
(*07.10.1947 - †09.05.2021)

Prof. Wehrle ist am Samstag, dem 8. Mai 2021, in seiner Freiburger Wohnung verstorben. Er wirkte an der Katholisch-Theologischen Fakultät der LMU als akademischer Lehrer für Altes Testament, zunächst ab dem 1. Oktober 1986 als Akademischer Rat am Institut für Biblische Exegese / Altes Testament, dann ab dem 1. Oktober 1992 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand am 1. April 2013 als Professor für alttestamentliche Einleitung, Exegese und biblisch-orientalische Sprachen.
Prof. Wehrle wurde am 7. Oktober 1947 in Stühlingen (Kreis Waldshut) geboren. Nach dem Besuch der Volksschule von 1954 bis 1962 besuchte er bis 1966 das Seminar für Spätberufene St. Joseph in Hersberg bei Immenstaad am Bodensee. Anschließend vollendete er seine Schulbildung auf dem Privatgymnasium St. Paulusheim in Bruchsal, wo er 1968 das Abitur ablegte. Von 1968 bis 1973 studierte er Katholische Theologie in Freiburg und in Maynooth (Irland). Von 1974 bis 1977 betrieb er Aufbaustudien auf den Gebieten der Literatur- und Sprachwissenschaften sowie der altorientalischen Philologie in Freiburg und an der École Biblique et Archéologique Française in Jerusalem. 1977 empfing er die Diakonats- und 1981 die Priesterweihe. Zugleich erstellte er in jenen Jahren neben seelsorgerlichen Tätigkeiten seine Dissertation bei Prof. Dr. Alfons Deissler an der Universität Freiburg, gefördert durch Stipendien der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Görres-Gesellschaft. Wenige Monate nach seiner Priesterweihe wurde er zum Dr. theol. promoviert. Bis zu seiner Anstellung als Akademischer Rat an der LMU ging Prof. Wehrle verschiedenen seelsorgerlichen Aufgaben in Triberg (Schwarzwald), Freiburg und Geisingen / Gutmadingen (bei Donaueschingen) nach. 1992 erfolgten die Habilitation in München und die Berufung auf die Professur. Von 1986 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand wirkte Prof. Wehrle ferner als Hausgeistlicher bei den Armen Schulschwestern in der Au (München).

Prof. Wehrle verlieh seiner wissenschaftlichen Arbeit am Alten Testament einen ausgeprägten interdisziplinären Akzent durch die Rezeption von Anregungen aus den Gebieten der Linguistik (Allgemeine Sprachwissenschaft) und der altorientalischen Philologie. Er war in einer staunenerregenden Vielzahl altorientalischer Sprachen bewandert, wie Ugaritisch, Akkadisch, Ägyptisch, koptische Dialekte (Saidisch, Bohairisch, Achmimisch, Subachmimisch, Fajjumisch), Äthiopisch, Altnubisch, Armenisch und Georgisch. Angeregt durch den methodisch innovativen Münchner Alttestamentler Prof. Dr. Wolfgang Richter, arbeitete er sich intensiv in die Allgemeine Sprachwissenschaft ein und machte sie für die sprachliche Analyse und Interpretation alttestamentlicher Texte fruchtbar. Dieser Schwerpunkt kam bereits in seiner Freiburger Dissertation zur Geltung, die 1987 unter dem Titel „Prophetie und Textanalyse. Die Komposition Obadja 1–21, interpretiert auf der Basis textlinguistischer und semiotischer Konzeptionen“ in einer von Wolfgang Richter herausgegebenen Reihe herauskam. Am selben Veröffentlichungsort erschien 1993 die in engem Kontakt mit Richter erstellte Habilitationsschrift „Sprichwort und Weisheit. Studien zur Syntax und Semantik der ṭōb...min-Sprüche im Buch der Sprichwörter“. Im Fortgang seines wissenschaftlichen Lebenswegs erschloss sich Prof. Wehrle einen weiteren Schwerpunkt auf den Gebieten der biblischen Theologie und Anthropologie, woraus seine Monographie „Der leidende Mensch und der mitleidende Gott. Ein Beitrag zur Anthropologie und Theologie des Alten Testaments“ aus dem Jahr 2012 erwuchs. Das Werk ist getragen von dem dezidierten Bemühen, die exegetische Forschung am Alten Testament auf das Neue Testament auszuweiten und die Ergebnisse mit den Fächern der Systematischen Theologie ins Gespräch zu bringen. Eine fachliche Kommunikation, die die Grenzen der einzelnen theologischen Disziplinen überschreitet, ist auch das Programm der Reihe, in der Prof. Wehrles Studie erschien und die er zusammen mit Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff (Freiburg) und Prof. Dr. Sven van Meegen (Heidenheim) unter dem Titel „Bibel und Ethik“ herausgab. Die für Prof. Wehrle charakteristische Verbindung von sprachwissenschaftlicher Textanalyse und Aufbereitung exegetischer Resultate für das Gespräch mit der Systematischen Theologie tritt sodann im programmatischen Titel seiner Studie „Der Dekalog. Text, Theologie und Ethik“ hervor, die er 2014 in derselben Reihe veröffentlichte. Zusätzlich edierte Prof. Wehrle zusammen mit Prof. Dr. Otto Wahl SDB und Prof. Dr. Sven van Meegen eine weitere Reihe, die unter dem Namen „Bibel konkret“ der Vermittlung der biblischen Exegese in Bereiche der Praktischen Theologie gewidmet ist. Schwerpunkte der in Aufsatzform publizierten Forschungen von Prof. Wehrle waren die Psalmen sowie – was man sicher als Ausweis seiner Nähe zu den Menschen und ihrem realen Leben werten darf – der Satan und der Humor im Alten Testament. Darüber hinaus hat sich Prof. Wehrle als Mitherausgeber zweier Festschriften für Prof. Dr. Otto Wahl SDB zum 75. und 80. Geburtstag (2007 und 2012) engagiert.

Die Katholisch-Theologische Fakultät wird ihr verstorbenes Mitglied in ehrender Erinnerung bewahren und seiner in einem Requiem am 30. Juni 2021 um 19 Uhr in der Universitätskirche St. Ludwig gedenken.

Eine Teilnahme am Requiem ist nach vorheriger Anmeldung per Mail (dekanat@kaththeol.uni-muenchen.de) möglich.

R.i.p.
Prof. Dr. Andreas Wollbold, Dekan