Katholisch-Theologische Fakultät
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Toleranz an den Grenzen Europas

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Tolerance at the European frontiers – the dimension of Ukraine

Kurzbericht über die Tagung zum Auftakt des Projektes

Vom 4. bis 6. Oktober fand die Internationale Konferenz "Toleranz an den Grenzen Europas: die Dimension der Ukraine" als Auftakt des gleichnamigen Projektes statt. Dies Projekt ist am Lehrstuhl für Christliche Sozialethik der Ludwig-Maximilians-Universität München angesiedelt, wird in Kooperation mit der Nationalen Universität Uschghorod durchgefürht und vom Auswärtigen Amt der deutschen Bundesregierung gefördert. Mitveranstalter waren auch die Katholische Sozialwissenschaftliche Zentralstelle, die von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken getragen wird, sowie das Interreligious and Civil Environmental Forum of Eastern Europe.

Rund 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Ukraine, sowie aus Deutschland und einigen Nachbarländern nahmen teil. Vorgeschaltet waren vier Vorlesungen von Wissenschaftlern aus Deutschland an der Nationalen Universität Uschghorod zu verschiedenen Aspekten der Toleranz: friedensethisch im Blick auf christliche Grundoptionen, europäisch in Bezug auf die kulturphilosophischen Grundlagen, politisch hinsichtlich des Umgang mit Populismus und der Frage nach dem gesellschaftlichen Zusammenhalt, wirtschafts- und ordnungsethisch im Blick auf das Modell der Sozialen Marktwirtschaft als Friedensformel, die Freiheit als Freiheit zu Verantwortung und Initiative versteht.

Zu Beginn der Konferenz betonte Vizerektorin Prof. Myroslava Lendiel die große Bedeutung der Konferenz und des Projektes für die Universität im Blick auf ihre Einbindung in internationale Forschungskontakte und gesellschaftlich aktuelle Dialogprozesse. Die gesellschaftliche Dimension wurde auch durch den Stellvertretenden Vorsitzenden der Regionalregierung Transkarpatiens, Yosup Borto, hervorgehoben.

Einleitende Grundsatzreferate beschäftigten sich mit dem Zusammenhang von Toleranz und Frieden sowie mit aktuellen Erfahrungen von Intoleranz, Populismus und Neonationalismus, die Deutschland und viele andere europäische Staaten derzeit zu spalten drohen. Insgesamt gab es fünf Panels zu spezifischen Forschungs- und Praxisfragen der Toleranz. Dabei wurde sowohl vielfältig über aktuelle empirische Untersuchungen zur Situation in der Ukraine berichtet als auch über methodische Fragen der Messung und Vermittlung von Toleranz reflektiert. Ein gewisser Schwerpunkt waren psychologische und soziologische Zugänge, die den Zusammenhang von verunsicherter Identität und Intoleranz verdeutlichen. Mehrfach wurde auf die 1995 von der UNO verabschiedeten Prinzipien der Toleranz Bezug genommen, die sowohl inner- wie zwischenstaatlich hohe Brisanz besitzen. Für das politisch-diskurstheoretische Verständnis der Toleranz als “Tugend der Demokratie” wurde immer wieder auch von ukrainischer Seite auf den Philosophen Jürgen Habermas verwiesen. Die Schlüsselrolle der Medien für Demokratie, Toleranz und Frieden wurde damit kontrastiert, dass die Medien machtpolitisch im Kontext hybrider Kriegsführung massiv manipuliert würden. Zentrale These der Konferenz war, dass es in der Ukraine im Kern nicht primär um einen territorialen Konflikt, sondern um einen Wertekonflikt geht. Dessen Bewältigung bedarf einer interkulturellen, ethisch-gesellschaftstheoretischen und wissenschaftlich differenzierenden Debatte. Es geht um Identitätsfragen, die immer auch kulturelle Konstrukte konkurrierender Geschichtsdeutungen sind.

Am zweiten Konferenztag wechselte die Versammlung den Ort und zog vom Rektoratsgebäude der Nationalen Universität zu einem Konferenzraum in der auf eine Schenkung von Maria Theresia zurückgehenden Residenz des griechisch-katholischen Bischofs Milan Sasik. Dieser hat das Projekt bereits in der Entstehung intensiv unterstützt. Hier wurde insbesondere intensive über die Rolle des interkonfessionellen und interreligiösen Dialogs für Toleranz diskutiert, was im Blick auf die tiefgreifenden Konflikte innerhalb der orthodoxen Kirchen gerade für die Situation in der Ukraine eine Schlüsselbedeutung hat. Verschiedene Modelle, wie die Spannung zwischen (religiösem) Wahrheitsanspruch, kultureller Identitätssuche und Toleranz bewältigt werden kann, wurden vorgestellt. Weitere gemeinsame Forschung zum Konzept einer aktiven, diskurs- und kompromissfähigen Toleranz wurden verabredet.

Abgerundet wurde das Konferenzprogramm durch einen Ausflug zu den Burgen von Uschghorod und von Mukachevo, die für die kulturelle Identität der Ukraine eine Schlüsselbedeutung haben. Unter den weiteren Zielen war der Besuch in einer Roma-Siedlung besonders eindrücklich. Deren soziale Probleme sowie die Bemühungen der Regierung und der Kirchen für eine Integration der Roma waren zuvor intensiv debattiert worden. Da die persönliche Begegnung für das Gelingen einer Konferenz mindestens ebenso wichtig ist, wie der akademische Diskurs, gab es abschließend eine Weinprobe mit transkarpatischer Musik und Gesang.
Mehrere Fernseh- und Presseteams waren bei der Konferenz anwesend und haben in verschiedenen Sprachen in den entsprechenden Medien berichtet. Hierzu exemplarisch:
- https://www.uzhnu.edu.ua/uk/news/v-uzhnu-rozpochalas-konferentsiya-tolerantnist-na-kordonah-Yevrop.htm
- https://www.uzhnu.edu.ua/uk/news/v-uzhnu-provely-mizhnarodnu-konferenciju-za-uchasti-nimeckih-nauk.htm

 

Konferenz Uschgorod