Katholisch-Theologische Fakultät
print

Links und Funktionen

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Prof. em. Dr. Josef Finkenzeller verstorben

20.06.2018

Die Katholisch-Theologische Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München
trauert um Herrn Prälat Prof. Dr. Josef Finkenzeller

Der Verstorbene stammt aus dem Großraum München, wo er am 6. Mai 1921 in Zell, nahe dem Benediktinerkloster Scheyern, geboren wurde. Nach seiner Gymnasialzeit und dem Abitur in Freising legte er an der Philosophisch-theologischen Hochschule der Domstadt sowie an der Münchener LMU den Grundstein für seine akademische und geistliche Laufbahn. Er promovierte im Fach Dogmatik bei Michael Schmaus in München und wurde 1953 in Freising zum Priester geweiht.
Nach Tätigkeiten in der Seelsorge als Kaplan in München-Neuhausen sowie als Rektor eines Münchener Schwesternhauses kehrte er als Präfekt, Subregens und Dozent nach Freising zurück, um sein akademisches Profil mit einer Habilitation – wiederum im Fach Dogmatik – zu schärfen, die 1959 erfolgte. An der Freisinger Hochschule wirkte er von diesem Jahr an als Privatdozent, außerordentlicher Professor und seit 1965 als Ordinarius.
1965 übernahm er zusätzlich Verantwortung für die diözesane Priesterausbildung als Regens und für die Leitung des Erzbistums als Ordinariatsrat. 1970 wurde Josef Finkenzeller als ordentlicher Professor für Dogmatik und Ökumenische Theologie an den Lehrstuhl Dogmatik II der KatholischTheologischen Fakultät der LMU München berufen. Seine Emeritierung erfolgte 1986.
Das theologische Wirken des Verstorbenen ist eng mit den kirchlichen Entwicklungen seiner Zeit verknüpft. Josef Finkenzellers Lebenswerk lässt sich als ein Zeugnis des konziliaren Umbruchs im Blick auf dessen Voraussetzungen und Konsequenzen lesen. Es ist bekannt, dass gerade die Fragen nach Priesteramt und Priesterausbildung im Fokus der Diskussionen standen, was einen engagierten Verantwortungsträger klassischer Prägung bewegen musste. Josef Finkenzeller konnte aus einem reichen dogmengeschichtlichen Wissen schöpfen, das er in seinen Publikationen vielfach unter Beweis gestellt hat.
Dabei spielte die Frage nach den Sakramenten eine besondere Rolle. Ihre Bedeutung und Substanz, aber auch ihre Veränderung beschäftigten ihn lebenslang. Schon die Dissertation gab darüber Auskunft, erst recht der Beitrag Finkenzellers in der renommierten Reihe „Handbuch der Dogmengeschichte“, worin er die ganze Breite der dogmenhistorischen Entwicklung präsentierte. Doch die Theologie Josef Finkenzellers hat sich nicht im bloß Historischen erschöpft. Angesichts der zeitgenössischen Herausforderungen musste das Vergangene an die Gegenwart vermittelt werden, was er unter anderem im Blick auf den Schwerpunkt Buße und Versöhnung in seiner soliden, klaren Herangehensweise tat. Hier gibt der Wissenschaftler dem Seelsorger die Hand, und einmal mehr wird sichtbar, wie gewissenhaft er sich in seiner Arbeit von der Notwendigkeit der Vermittlung, der Hermeneutik und der pastoralen Empathie leiten ließ.
Dies gilt nicht zuletzt für das Kronthema der Dogmatik, die Gotteslehre. Josef Finkenzeller wusste um die Schwierigkeit, von Gott zu sprechen, damals (bei Johannes Duns Scotus etwa, über den er eine Monografie schrieb), und er wusste um die Schwierigkeit, von Gott zu sprechen, heute. Sein „Grundkurs Gotteslehre“ bietet die Zusammenschau; auf ihrer Basis hat der nun Verstorbene als „Generalist“, wie es das Fach Dogmatik im Rahmen der Hochschule nahelegt, die Eckdaten der christlichen Glaubenslehre aufbereitet und, in ökumenischer Offenheit, einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht: die Gestalt Jesu und ihr Verhältnis zur Kirche, die Kirche und ihr Verhältnis zum Gottesreich, das Dogma und sein Verhältnis zum Lehramt, und – wohl auch als sehr persönliches Vermächtnis – das Verhältnis des Menschen zum Tod (eigene Monografie; ausführlicher Beitrag im „Lehrbuch der Dogmatik“).
Josef Finkenzeller verstarb am 14. Juni 2018 und wurde am 22. Juni in Scheyern zu Grabe getragen.


Prof. Dr. Andreas Wollbold
Dekan