Katholisch-Theologische Fakultät
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Romfahrt 2018

Blockseminar „Struktur und Arbeitsweise der Römischen Kurie“
vom 25. 2. bis 3. 3. 2018 in Rom

In diesem Jahr startete das traditionelle Seminar, zu dem Prof. Dr. Dr. Elmar Güthoff zu unserer großen Freude erneut einlud, ganz anders. Denn am ersten Tag erlebten wir etwas, das wir zwar zu Hause gewohnt sind, doch in Rom ein eher seltenes Phänomen ist. Über Nacht hatte es einige Zentimeter geschneit und, wenn es in Rom schneit, dann geht fast nichts mehr auf den Straßen. Es war wirklich ein für uns einmaliges Bild und eine Überraschung. Trotz verschneiter Wege kamen wir jedoch pünktlich zum ersten Termin des Seminars, das immer bei der Kongregation für die Ostkirchen beginnt. Freundlich begrüßte uns Erzbischof Dr. Cyril Vasil, Sekretär der Kongregation, und informierte kompetent und auskunftsfreudig über die Arbeit, die sich auf alle Bereiche der katholisch-orientalischen Kirchen bezieht und somit ein weites Spektrum zu bewältigen hat.

Gleich im Anschluss ging es weiter zur Kongregation für den Klerus, in der uns Msgr. Dr. Gehr und Msgr. Dr. Gruber empfingen und auch Grüße vom Präfekten Beniamino Kardinal Stella übermittelten. In unserer Seminarwoche trafen wir die jeweiligen Leiter der Dikasterien nicht an, da sie sich zusammen mit Papst Franziskus auf den jährlichen Exerzitien in der Fastenzeit außerhalb Roms befanden. Anschließend besuchten wir die Kongregation für die Institute des Geweihten Lebens und die Gesellschaften des Apostolischen Lebens, die sich in fünf Abteilungen für die jeweiligen Formen des geweihten Lebens gliedert, wie uns der Untersekretär, P. Dr. Clemens Gutberlet LC, anhand einer Übersicht erklärte. Nach einer kurzen Mittagspause trafen wir uns am Nachmittag in der Päpstlichen Universität S. Croce zu einem Arbeitstreffen, während welchem wir mittels Kurzreferate der Studierenden über Dikasterien informiert wurden, die entweder am nächsten Tag auf dem Programm standen oder die während des Seminars leider nicht besucht werden konnten.

Der zweite Tag begann mit einem Besuch in der Kongregation für die Evangelisierung der Völker, oft auch bekannter unter ihrem früheren Namen S. Congregatio de propaganda fide (bis 1967), die nahe der Spanischen Treppe liegt. Der Beigeordnete Sekretär Erzbischof Giovanni Dal Toso erklärte dabei den Schwerpunkt der Aufgaben, der die Missionstätigkeit der Kirche bildet. Vor allem in Ländern, in denen sich die katholische Kirche erst festigt und ausbreitet, wird Hilfe gegeben, auch finanzieller Art, beispielsweise zur Bildung hierarchischer Strukturen oder für die Ausbildung des Klerus. Der Kongregation zugehörig sind auch die vier päpstlichen Missionswerke. Danach kehrten wir in die Via della Conciliazione zurück, um zwei Räte kennenzulernen. Im Rat für die Kultur, der mit nur 18 Mitarbeitern einer der kleinsten ist, begrüßte und informierte uns Msgr. Dr. Gergely Kovács und im Rat für den Interreligiösen Dialog trafen wir auf Dr. Dr. Michael Weninger, früherer österreichischer Diplomat und heute zuständig für die Beziehungen zum Islam, der auf ganz eigene Weise von seinen Erlebnissen erzählte.

Kirchliche Gerichte sind für Studierende des Kirchenrechts immer interessant, und noch interessanter, wenn es sich um die drei Höchsten handelt. Das Erste durften wir am Nachmittag kennenlernen. Die Apostolische Paenitentiarie ist von ganz besonderer Art, da ihre Zuständigkeit ausschließlich auf das forum internum beschränkt ist. In sehr kompetenter und aufschlussreicher Weise legte uns Msgr. Carlos Encina Commentz die Aufgaben und die Arbeitsweise dar. So ist die Paenitentiarie zuständig für den Nachlass der dem Apostolischen Stuhl vorbehaltenen Exkommunikation, die bei fünf im CIC/1983 genannten Straftaten automatisch eintritt. Des Weiteren gewährt sie weitere Gnadenerweise, beispielsweise in Form von Dispensen und Heilungen, und ist zudem zuständig für alles, was die Ablässe betrifft. Dass das Heil der Seelen oberstes Gesetz sei (vgl. c. 1752 CIC), wird an der Arbeitsweise der Paenitentiarie vor allem dadurch deutlich, dass ihre Arbeit auch während der Sedisvakanz nicht ruht und auch alle Anträge schnellstmöglich bearbeitet werden. Gerne beantwortete Msgr. Commentz nach diesen interessanten Einblicken die vielen Fragen der Studierenden zu diesem einmaligen ‚Gnadengericht‘, wie die Paenitentiarie manchmal bezeichnet wird.

Im Anschluss besuchten wir für diesen Tag kein weiteres Dikasterium, dafür die von der Gesellschaft Jesu geführte Päpstliche Universität Gregoriana, in der wir eine Gastvorlesung über „Die Behandlung der delicta graviora an der Kongregation für die Glaubenslehre“ von Dr. Manfred Bauer besuchen durften. Dr. Bauer war Student des Klaus-Mörsdorf-Studiums für Kanonistik und ist Mitarbeiter der Kongregation für die Glaubenslehre. Auch der Präfekt der Kongregation Erzbischof Luis Ladaria Ferrer SJ kam zur Vorlesung. Der nächste Tag gab die Möglichkeit, an der Generalaudienz mit Papst Franziskus teilzunehmen. Nachmittags trafen wir uns zu einer weiteren Arbeitssitzung im Päpstlichen Orientaleninstitut, wo wir uns mit weiteren Dikasterien beschäftigten. Einige davon konnten wir heute kennenlernen und zwar als erstes die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, in der uns Dr. Michael Kahle auskunftsfreudig einen Einblick in die alltäglichen Arbeiten, und zugleich in manche Probleme gewährte, dies auch in Bezug zu aktuellen Ereignissen. In der Kongregation für die Glaubenslehre trafen wir ein weiteres Mal auf Dr. Manfred Bauer, der zusammen mit seinem Kollegen Dr. Johannes Fürnkranz nach einem geschichtlichen Überblick über die Aufgaben in den verschiedenen Abteilungen informierte, wobei der Schwerpunkt der Ausführungen auf dem Verfahrensweg der Auflösung nicht-sakramentaler Ehen lag. In der Kongregation für das katholische Bildungswesen war Dr. Matthias Ambros nach kurzer Darlegung der Arbeit in den verschiedenen Abteilungen gerne bereit Fragen zu beantworten.

Ein weiterer Höhepunkt des Seminars stand uns am Donnerstagnachmittag bevor mit einem Besuch der Apostolischen Signatur, dem höchsten Gericht der katholischen Kirche. P. Prof. Dr. Nikolaus Schöch OFM, Kirchenanwalt an der Signatur, informierte uns in äußerst kompetenter Weise über Struktur und Arbeitsweise des Gerichts und veranschaulichte dies anhand von Beispielen aus der Praxis des Verwaltungsrechts, was sehr interessant und hilfreich war, die Verfahrensabläufe verfolgen zu können. Danach besuchten wir ein nicht weniger wichtiges Gericht, und zwar die Rota Romana, in der uns Msgr. Dr. Robert Golebiowski vor allem anhand aktueller Fragen und Päpstlicher Regelungen, besonders im Hinblick auf das Motu Proprio „Mitis Iudex Dominus Jesus“ aus dem Jahr 2015, Einblick in die Arbeit der Rota und auch manche Herausforderungen gab.

Unser letzter Seminartag begann mit dem Rat für die Gesetzestexte, den uns der Untersekretär, Prälat Msgr. Dr. Markus Graulich SDB vorstellte und anhand mancher Fragen der Studierenden weiter konkretisierte. Im Rat für die Neuevangelisierung durften wir den Delegaten Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst kennenlernen, der uns in sehr aufgeschlossener und freundlicher Weise das Aufgabenspektrum darlegte. Er wies darauf hin, dass der Rat des Öfteren mit neuen Projekten betraut werde, wie z.B. das Heilige Jahr der Barmherzigkeit, oder die Herausgabe eines Kids-Cat, eines Katechismus für Kinder. Neuevangelisierung sei ein sehr weiter Begriff, der vieles beinhalten kann. Nach den beiden Räten besuchten wir noch die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsverfahren. Dort begrüßte und informierte uns Generalrelator P. Vincenzo Criscuolo OFM. Die etwa 32 Mitarbeiter der Kongregation sind mit derzeit etwa 2.300 Kanonisationsprozessen gut beschäftigt. Dazu kommt der ganze Bereich die Reliquien betreffend. Interessant war auch die Aufstellung der Kosten für die unterschiedlichen Arten der Verfahren.

Auch in diesem Jahr durfte in einer Mittagspause das inzwischen zur Tradition gewordene Zusammentreffen in einer Trattoria mit Herrn Benedikt Steinschulte nicht fehlen. Als ehemaliger Mitarbeiter des früheren Päpstlichen Rates für die sozialen Kommunikationsmittel kennt er gut viele Interna der Kurie, von denen er gerne und in unverkennbarer Weise erzählte. Vorbei an der Schweizer Garde und durch Gänge des Apostolischen Palastes gelangten wir zu unserem letzten Termin: im Staatssekretariat. Msgr. Dr. Winfried König, Leiter der deutschsprachigen Abteilung der ersten Sektion des Staatssekretariats, gab einen guten Überblick über die verschiedenen Sektionen und antwortete auf viele Fragen der Studierenden, besonders auch, was die diplomatischen Vertretungen und die Beziehungen mit den Staaten betraf. Leider ging danach unser Seminar zu Ende. Es hat uns viele neue Erfahrungen und Informationen geschenkt, vor allem auch viel Freude. Wir durften sowohl die Stadt Rom als auch die gewöhnlich eher verborgene Welt der Römischen Kurie kennenlernen, und dies in einer Weise, wie es uns sonst nicht möglich wäre. Daher bedanken wir uns ganz herzlich bei Prof. Güthoff für die Einladung zum Seminar, die sehr gute Organisation und für die unvergesslichen Tage in der Ewigen Stadt!

Bericht: Andrea Michl