Katholisch-Theologische Fakultät
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Nachruf Prof. Dr. em. Alfred Gleißner

Prof. Dr. Alfred Gleißner (1929-2022) ist verstorben

Am 21. März 2022 ist Prof. Dr. Alfred Gleißner, Inhaber des Lehrstuhls für Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts von 1978 bis 1998 mit 92 Jahren an den Folgen eines Sturzes auf dem Weg zur Kirche Inhausen bei München verstorben. Mit ihm verliert die LMU München einen markanten Vertreter der Praktischen Theologie katholischer Konfession und die Theologische Fakultät einen profilierten Anwalt der religiösen Bildung in Schule, Religionsunterricht und Öffentlichkeit. Die Kollegenschaft muss von einem freundlichen und kooperativen Kollegen Abschied nehmen, die Studierenden von einem offenen Lehrer und einem wohlwollenden Prüfer und die Gemeinde Inhausen von einem Seelsorger und Priester, dessen langjährige Tätigkeit ganz im Zeichen des Zweiten Vatikanischen Konzils stand.

Geboren wurde Alfred Gleißner in Weiden in der Oberpfalz am 23. März 1929 von den Eltern Gustav Gleißner und Elisabeth, geborene Schmeller. Nach dem Abitur studierte er zehn Jahre Philosophie und Theologie in Rom an der Gregoriana und schloss 1959 mit dem Doktorat in Theologie ab. Es folgten vier Jahre allgemeine Seelsorge in der Oberpfalz, wozu auch das Erteilen des Religionsunterrichts und die Vorbereitung der sakramentlichen Feiern an der Basis gehörten. Mit 34 Jahren kam Alfred Gleißner an die Universität München als Assistent von Professor Theoderich Kampmann und zeitgleich als Mitarbeiter im Vorstand des Deutschen Katechtenvereins (1963-1967), dann sechs Jahre als Assistent von Prof. Dr. Erich Feifel, Lehrstuhl für Kerygmatik und Religionspädagogik. Beide Lehrer standen für ein wechselseitig befruchtendes Verhältnis von theologischer Theorie und Praxis. Sie erteilten jeder Theorie oder Dogmatik ohne Erfahrungshintergrund eine Absage. 1973 wurde Alfred Gleißner zuerst Professor an der damaligen Pädagogischen Hochschule in München-Pasing bzw. an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität. 1978 kam es zur Integration der Pädagogischen Hochschule mit ihrer Lehrerbildung in die LMU. Kollege Gleißner wurde zum Ordinarius für ‚Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts‘.

Zwanzig Jahre lang trug er die wissenschaftliche Verantwortung für die Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer mit dem Zweitfach Religionsunterricht auf verschiedensten Schulstufen: von der Grundschule über die Sekundarstufe bis zur Berufsschule. Unzählige Vorlesungen, Seminare, schriftliche und mündliche Prüfungen waren zu bewältigen wie auch die wissenschaftliche Vertretung des Fachs in der akademischen Fachwelt mit Vorträgen, Stellungsnahmen, Lexikonartikeln und Buchbeiträgen. Diskutiert wurde im Nachgang des Konzils die Frage des Katechismus, seiner angemessenen Handhabung und seiner Didaktik. Es kam zur Einführung neuer schülerorientierter Unterrichtswerke wie ‚glauben-leben-handeln‘, wozu er allgemeine didaktische Einführungen erstellte. Er beteiligte sich an der Debatte um die Einführung des ‚Ethikunterrichts‘ für alle, auch beispielsweise für Musliminnen und Muslime, was Prof. Gleißner befürwortete. Große Verdienste erwarb er sich durch die Konzeption und Realisierung von Werken für den Religionsunterricht an der Realschule und an den beruflichen Schulen mit den wegweisenden Reihentiteln ‚Maßstäbe‘ (4 Bände, München 1980-1984) und ‚Entscheidungen‘ (4 Bände, München 1981-1987). Er leitete über viele Jahre die Vereinigung der Bayerischen Katechetikdozierenden und veranstaltete vor und nach der Pensionierung insgesamt zehn religionspädagogische Seminare an der Partner-Universität Venedig zu den Themen interkonfessioneller und ökumenischer Religionsunterricht sowie mit seinem Nachfolger über ‚Interreligiöses Lernen‘, alle unter dem Obertitel ‚Der Religionsunterricht in Europa‘. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Katechetenverein wurden internationale Begegnungen (in Frankreich, Österreich und der Schweiz) zum Religionsunterricht und der religiösen Bildung initiiert. Mit Alfred Gleißner verlieren wir einen sympathischen und kompetenten Kollegen. Für seine unendliche Mühe im Dienste eines menschenfreundlichen Religionsunterrichts sei ihm herzlich gedankt.

Stephan Leimgruber, Prof. Dr. em.